In den vergangenen Jahren sind in Europa viele Flüsse renaturiert worden. Grund dafür ist die sogenannte "Brüsseler Wasserrahmenrichtlinie" aus dem Jahr 2000. Das Ergebnis ist allerdings – zumindest für Deutschland – ziemlich ernüchternd: Bei gerade einmal 25 Prozent der Flüsse hat die Renaturierung zu einem Erfolg geführt. Und das auch nur zum Teil.

"Renaturierung" bedeutet: In den Flüssen soll es danach auch tatsächlich wieder natürlich zugehen. Zumindest Fische oder Algen oder Kleinstlebewesen sollten also zurückgekehrt sein.

Wasserqualität hat sich verbessert

Im Vergleich zu den 80er Jahren habe sich die Qualität deutscher Binnengewässer drastisch verbessert, sagt Daniel Hering, Professor für Angewandte Hydrobiologie an der Uni Duisburg/Essen. Viel Geld sei hier in Kläranlagen investiert worden, so dass etwa die Verschmutzung durch Haushaltsabwässer zurückgegangen sei.

"Die Wasserqualität der deutschen Flüsse hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert."
Daniel Hering, Professor für Angewandte Hydrobiologie an der Uni Duisburg/Essen

Viele Probleme, die etwa in den 1980er Jahren noch durch die massive Verschmutzung überdeckt wurden, seien danach aber zum Vorschein getreten – und das gilt bis heute: Laut Bundesumweltamt befinden sich nur sieben Prozent der deutschen Binnengewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand.

Ein großes Problem ist die "Verbackung" des Untergrunds. Durch Ackererde und Schlamm ist er häufig hart und undurchlässig, dass kein noch so kleines Lebewesen darin überlebt beziehungsweise sich überhaupt ansiedelt. Außerdem haben die deutschen Gewässer mit Schadstoffen wie Phosphor (durch die Überdüngung der Äcker) und Quecksilber (durch Zahnarztpraxen und aus Kohlekraftwerken) zu kämpfen.

Gewässer in keinem guten Zustand

Der ökologische Zustand wird nach der Wasserrahmenrichtlinie anhand der Lebewesen, die im Gewässer vorkommen, gemessen, erklärt Hering.

  1. Fische
  2. Kleintiere
  3. Wasserpflanzen
  4. Algen

Jede Gruppe wird separat betrachtet. Gesetzt den Fall, drei der Gruppen wären in einem guten, eine davon jedoch in einem schlechten Zustand, dann wäre der Gesamtzustand schlecht. Das sei eine relativ strenge Bewertung, findet Hering. Wenn man die Gruppen einzeln betrachte, seien etwa 20 bis 25 Prozent der deutschen Gewässer in einem guten Zustand.

In vielen Gewässern fehlen Lebensräume

Bisher seien noch gar nicht so viele Flüsse in Deutschland renaturiert worden, sagt Hering. Viel sei zwar in die Wasserqualität investiert worden – und das auch sehr erfolgreich, so der Biologe. Allerdings seien viele Gewässer nach wie vor begradigt und hätten keine Ufervegetation. Das führe dazu, dass einfach Lebensräume fehlen. Diese müssten jetzt, teilweise technisch, wiederhergestellt werden.

"Man muss einem Fluss etwas mehr Platz geben, dann bildet sich sehr viel von selbst."
Daniel Hering, Professor für Angewandte Hydrobiologie an der Uni Duisburg/Essen

Wenn ein Binnengewässer mehr Platz bekommt, bilde sich viel von alleine, sagt Daniel Hering, etwa Kiesbänke oder eine Ufervegetation, aus der dann wiederum Laub und Holz ins Wasser falle. Genau das seien die Lebensräume, die die Fische und Kleinlebewesen brauchen.