"Ohne Sport wäre ich nicht der, der ich bin", sagt Alhassane Baldé. In seinem Geburtsland Guinea hätte er wohl kaum eine Chance als Sportler gehabt. In Deutschland hat er eine Karriere als Rennrollstuhlfahrer hingelegt und bei Europa- und Weltmeisterschaften Medaillen gewonnen.

Als Alhassane Baldé geboren wird, ist den Ärzten nicht klar, dass zwei Babys im Bauch der Mutter stecken. Sein Bruder kommt gesund auf die Welt. Bei Alhassane machen sie fatale Fehler, sodass er ab dem 8. Wirbel querschnittsgelähmt ist.

Ohne Rollstuhl konnte Alhassane als querschnittgelähmter Junge keinen Kindergarten und keine Schule besuchen. Und in Guinea werden Menschen mit Behinderung oft geächtet oder von ihren Familien versteckt, erzählt er.

Mit neun Monaten kommt Alhassane zu einer medizinischen Behandlung nach Deutschland. Sein in Düsseldorf lebender Onkel und seine Tante entscheiden sich dazu, ihn zu adoptieren. Weil das Adoptionsverfahren lange dauert, kommt er erst mit fünf Jahren zu ihnen.

"Man wächst mit dem Wissen auf, dass man plötzlich angestarrt wird oder anders aussieht. Und bei mir kommt ja noch die Behinderung dazu. Ich bin aber eigentlich in der glücklichen Lage gewesen, dass ich, auch durch mein Elternhaus, immer vorgelebt bekommen habe, das zum einen erst mal zu ignorieren und zum anderen immer genau zu differenzieren und zu gucken, wie meint derjenige das."
Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé über Alltagsrassismus
Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé.
© Jannik Emmerich
Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé auf dem Trainingsplatz

Obwohl die medizinische Versorgung in Deutschland besser ist, gibt es auch hier viele Schwierigkeiten. Als er in den Kindergarten kommt, spürt Alhassane durch die Reaktionen der anderen Kinder, dass er anders ist. Seine Hautfarbe ist dunkel, er sitzt im Rollstuhl. Als Kind bittet er seine Oma um einen Eimer weiße Farbe, um so sein zu können wie die anderen Kinder.

Seine Tante und sein Onkel, die er inzwischen als seine Eltern bezeichnet, leben ihm vor, Alltagsrassismus oftmals zu ignorieren - aber auch zu schauen, welche Absicht hinter dem Gesagten steckt und sich gegebenenfalls zu wehren.

Die erste Begegnung mit einem Mini-Rennrollstuhl verändert sein Leben

Als Alhassane Baldé sechs Jahre alt ist, besucht er mit seinen Adoptiveltern eine Messe für medizinische Rehabilitation. Dort entdeckt er an einem Stand einen Mini-Rennrollstuhl.

Er ist begeistert und möchte ihn sofort ausprobieren. Er nutzt die weiteren Messetage immer weiter dazu, mit dem Rennrollstuhl durch die Gänge zu kurven. Der Entwickler des Mini-Rennrollstuhl schenkt Alhassane Baldé das wendige Gefährt, nimmt ihn mit in das Rennrollstuhl-Team seiner Firma auf und erklärt sich bereit, ihn zu trainieren.

Seit Alhassane zwölf Jahre alt ist, nimmt er an internationalen Rennwettbewerben teil und hat bei Europa- und Weltmeisterschaften viele Medaillen gewonnen.

Rennrollstuhlfahrer Alhassane Balde
© Jannik Emmerich
Alhassane Baldé trainert in der Regel zweimal täglich.