Wir gönnen es jedem Rentner, vor allem denjenigen, die am Existenzminimum leben. Aber wenn ab Juli die Renten angehoben werden, dann gilt das für alle - auch für Superreiche und am Ende zahlen wir das. Wir fragen uns, ist das noch gerecht? Und wie könnte es anders laufen?

Genauso wie es gelegentlich Lohnerhöhungen gibt, müssen auch die Renten steigen - so läuft das immer bei uns in Deutschland. Und so wird es dieses Jahr im Juli eine Rentenerhöhung geben, um etwas mehr als drei Prozent. Wir fragen uns, ist das gerecht, wenn auch die Renten derjenigen steigen, die eigentlich genug haben? Die Politiker verschiedener Parteien, die wir dazu befragt haben, waren sich eigentlich ziemlich einig. Sie sind der Meinung: Rentner gegeneinander ausspielen, das geht gar nicht.

"Wenn die Arbeitsmarkt- und Demografielage besonders gut ist, steigen die Renten etwas mehr. Wenn sie aber schlechter werden, steigen die Renten weniger. Und das ist völlig generationengerecht und fair."
​Wolfgang Gründinger, Publizist und Demokratieforscher

Wolfgang Gründinger ist Publizist und Demokratieforscher. Auch er hat nichts gegen die Rentenerhöhung einzuwenden. Er sagt: "Drei Prozent von wenig Rente ist weniger als drei Prozent von viel Rente." Aber man müsse genauer hinschauen und andere Maßnahmen schaffen. Zum Beispiel könnte die neue Grundrente, die angekündigt ist, helfen, damit Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben auch eine anständige Rente ausgezahlt bekommen.

"Die Rente setzt erst da an, wenn alles andere schon gelaufen ist."
​Wolfgang Gründinger, Publizist und Demokratieforscher

Ein Problem in unserer Gesellschaft ist, dass Menschen wie wir, die neu auf dem Arbeitsmarkt sind, häufig schlecht bezahlte und befristete Jobs bekommen - das Einzahlen in die Rentenkasse wird dadurch verzögert. Wolfgang Gründinger sagt, dass es gerade deswegen wichtig sei, die sachgrundlose Befristung abzuschaffen und den Mindestlohn anzuheben, damit Menschen auch in dieser Phase von ihrem Gehalt leben - und etwas für die Altersvorsorge zurücklegen können.

"Das Rentensystem an sich ist - trotz des demografischen Wandels - erstaunlich stabil."
​Wolfgang Gründinger, Publizist und Demokratieforscher

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