Zoe Katharina hat dabei geholfen, Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aus Seenot zu retten. Dafür droht ihr eine lange Haftstrafe.

Zoe Katharina ist 2017 in der Ausbildung zur Bootsbauerin, als sie sich bei "Jugend rettet" meldet, einer NGO, die im Mittelmeer Menschen aus Seenot rettet. "Ich habe die Bilder von den Menschen gesehen, die ertrinken", sagt Zoe heute, "und das hat mich sehr berührt." Zoe konnte zu diesem Zeitpunkt schon segeln und Motorboot fahren. Das hatte sie unter anderem zuhause auf dem Schluchsee im Schwarzwald gelernt.

Seenotrettung Schlag auf Schlag

Zoe geht auf die Iuventa, dem Schiff von "Jugend rettet". Dort fährt sie unter anderem eines der beiden Motorboote. Die werden genutzt, um die Flüchtlinge von ihren Booten auf die Iuventa zu transportieren. Während ein Motorboot hin- und herfährt, bleibt das andere bei dem Boot der Flüchtlinge, um es abzusichern. Das war Zoes Aufgabe. "Ich kann mich heute nicht mehr an jedes Boot erinnern, weil die Rettung Schlag auf Schlag kam", sagt sie.

In den frühen Morgenstunden ging oft der erste Notruf von der Seenotrettungs-Leitstelle aus Rom ein, erinnert sich Zoe. Ein Einsatz konnte dann Stunden dauern. Auf den kleinen Booten der Flüchtlinge drängten sich häufig Hunderte Menschen.

"In Deutschland wäre jeder Mensch auf so einem Boot ein medizinischer Notfall."
Zoe Katharina, Retterin

"Alle Flüchtlingsboote sind in Seenot", sagt Zoe. "Die sind überladen, haben nicht genug Wasser an Bord und sind nicht seetauglich – die können ihr Ziel gar nicht erreichen." Erst spät in der Nacht ist Zeit für wenige Stunden Ruhe. "Man kann meistens schlafen, weil man die Ereignisse verdrängt."

Insgesamt ist Zoe drei Wochen auf dem Mittelmeer. Sie hilft dabei, viele Menschen zu retten. Sie muss aber auch erleben, wie Flüchtlinge direkt vor ihren Augen ertrinken. Ihre Erlebnisse hat sie in einem Buch aufgeschrieben: "Zoe heißt Leben".

Ermittlungen gegen Rettungscrew

Nach dem Einsatz wurde die Iuventa im August 2017 beschlagnahmt. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung gegen zehn Crewmitglieder, unter anderem auch gegen Zoe. Den Iuventa10 drohen bis zu 20 Jahre Haft und hohe Geldstrafen.

In Eine Stunde Talk erzählt Zoe, was sie erlebt hat und welche Konsequenzen sie für ihr Leben aus ihren Erfahrungen zieht.