Mit 16 Jahren bekommt Britta Klasen die Diagnose Rheuma. Auch wenn man es ihr nicht immer ansieht, hat sie täglich mit dieser Krankheit zu kämpfen. Deshalb setzt sich Britta für einen offeneren Umgang mit der Erkrankung ein.

Bei Rheuma denken viele von uns als erstes an ältere Menschen. Doch Rheuma kann man in jedem Alter bekommen, sogar als Kleinkind, betont der Rheumatologe Ibrahim Öztürk. In Deutschland haben circa 20.000 Kinder und Jugendliche die Diagnose juvenile idiopathische Athritis – kurz: Kinderrheuma.

"Rheuma ist eine Krankheit, die in jeder Lebensaltersgruppe auftreten kann."
Ibrahim Öztürk, Rheumatologe

Davon betroffen ist auch die 25-jährige Britta Klasen. Mit 16 Jahren wurde bei ihr Kinderrheuma diagnostiziert. Seitdem lebt sie mit der Krankheit. Wenn Britta einen Rheuma-Schub bekommt, kann es ihr von dem einen auf den anderen Tag sehr schlecht gehen und sie könne sich kaum mehr bewegen, erzählt sie. Besonders an Händen, Füßen und am Rücken äußern sich ihre Schmerzen.

"Mir gehts supergut und dann geh ich ins Bett und wache am nächsten Morgen auf, und auf einmal kann es mir superschlecht gehen und ich kann mich nicht mehr bewegen."
Britta Klasen, hat seit über zehn Jahren Rheuma

An den Tagen, an denen es Britta gut geht, merke man ihr die Krankheit kaum an. Doch genau das sei auch ein großes Problem, sagt sie.

Die Krankheit blieb unentdeckt

Als Britta elf Jahre alt war, fingen die Schmerzen an. Immer wieder musste sie wegen entzündeten Gelenken zum Orthopäden. Doch niemand erkannte die wahre Ursache. Irgendwann habe sie sich damit abgefunden, dass sie eben das Kind sei, das andauernd komische Erkrankungen habe, erzählt sie.

"Ich wars dann irgendwann einfach gewohnt, dass ich halt irgendwie immer der Pechvogel bin, der irgendwas hat."
Britta Klasen, hat seit über zehn Jahren Rheuma

Mit sechzehn Jahren wurden die Schmerzen aber immer schlimmer, vor allem im unteren Rücken. Bei einem großen Check-Up in der Kinderklinik wurde dann von einem Rheumatologen Kinderrheuma diagnostiziert.

Warum Rheuma bei jungen Menschen oft nicht sofort erkannt wird, liegt zum einen daran, dass die Krankheit eher schleichend mit leichten Gelenk- oder Muskelschmerzen startet und viele Ärztinnen und Ärzte dabei nicht sofort an Rheuma denken, erklärt Ibrahim Öztürk. Auch im Blut könne man am Anfang meist keine Hinweise darauf entdecken. Viele Jugendliche würden zudem wegen Muskel- und Gelenkschmerzen erst gar nicht zum Arzt gehen, sagt er.

Britta kämpft für mehr Akzeptanz

Dass selten bekannt ist, dass auch junge Menschen von Rheuma betroffen sein können, ist ein Problem für die jungen Menschen. Häufig führe das zu einer Stigmatisierung, sagt Ibrahim Öztürk.

"Das ist halt ganz oft bei jungen Menschen das Problem, dass sie dann irgendwie vielleicht aus körperlichen Gründen nicht mithalten können und dann da abgestempelt werden mit: Pff, ist der vielleicht einfach nur zu faul?"
Britta Klasen, hat seit über zehn Jahren Rheuma

So nimmt es auch Britta Klasen wahr. Ihre chronische Erkrankung sei sozusagen unsichtbar. Dadurch fehle häufig auch das Verständnis von anderen Menschen dafür, dass es ihr an manchen Tagen nicht so gut gehe wie an anderen Tagen. Britta ist es deswegen ein großes Anliegen, ihre Krankheit so offen wie möglich zu kommunizieren – auch auf der beruflichen Ebene.

"Mir persönlich ist es ganz wichtig, das auch öffentlich zu zeigen – indem ich das beispielsweise auf Instagram ganz offen zeige, dass Rheuma auch ein junges Gesicht haben kann."

Dabei geht es Britta auch nicht um Mitleid, sondern einfach um eine gewisse Akzeptanz ihrer Lage durch ihre Mitmenschen.

Natürlich bereitet ihr die Krankheit oft Angst, da sie nie weiß, wie sie sich in den kommenden Jahren entwickeln wird. Aber Sorgen machen bringe im Endeffekt ja auch nichts, weiß sie und hofft einfach, dass es auch in den kommenden Jahren schon irgendwie gut gehen wird.