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Im sächsischen Grenzgebiet zu Tschechien sollen ausnahmsweise alle Menschen ab 18 Jahren geimpft werden. Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori erklärt, warum das dort Sinn macht, deutschlandweit aber besser nicht zur Regel werden sollte.

Im sächsischen Vogtland sollen ab Ende der Woche alle Menschen ab 18 Jahren geimpft werden. Das plant die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Gesundheitsminister Spahn spricht von einem Schutzriegel, damit das Virus nicht aus dem stark betroffenen Tschechien weiter nach Deutschland getragen werde. Im Grundsatz wolle er aber an der festgelegten Impfreihenfolge festhalten – die bekannten Prioritäten also berücksichtigen.

Angesichts der hohen, regionalen Infektionszahlen sei dieses Riegel-Impfen in Sachsen eine sinnvolle Taktik, findet die Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Ein Anreiz zur Einhaltung der Infektionsschutzregeln ist das allerdings nicht. Die Siebentages-Inzidenz im Vogtlandkreis liegt momentan bei 207,5, im Vergleich dazu die bundesweite Siebentages-Inzidenz bei 65,4 (Stand 10.03.2021).

"Im Vogtland hat man die höchste Inzidenz in Deutschland. Hier stecken sich gerade besonders viele Menschen pro Tag mit dem Virus an."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Wissenschaftsjournalistin weist darauf hin, dass inzwischen davon ausgegangen wird, dass eine Impfung nicht nur Geimpfte vor einer Erkrankung schützt, sondern auch andere vor einer Infektion.

"Bei Geimpften finden sich seltener Viren im Hals, mit denen die Person andere anstecken könnte. Das haben zwei Studien ergeben, für den Biontech-Impfstoff und für den Astra-Zeneca-Impfstoff."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Christina Sartori sagt, möglicherweise müsse für die freie Impfung aller Willigen im Vogtland noch nicht einmal anderenorts Impfstoff abgezogen werden. Sie weist auf die Ankündigung der Firmen Biontech/Pfizer hin, an die Europäische Union vier Millionen Dosen mehr zu liefern.

Spekulieren auf mehr Impfstoff

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vorgeschlagen, zusätzliche Impfdosen in Virus-Hotspots zu verteilen. Christina Sartori vermutet, dass das Vogtland dafür in Frage kommen könnte. Der Impfstoff würde anderenorts nicht fehlen, findet sie.

"Die ganzen Dosen nützen nichts, wenn sie nicht verimpft werden. Da muss man jetzt schnell im Vogtland Kapazitäten schaffen – das geschieht wohl gerade, hoffentlich klappt das."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Das nun angekündigte Riegel-Impfen im Vogtland tauge allerdings nur sehr begrenzt als Modell für weitere Regionen in Deutschland, sagt Christina Sartori. Für weitere großflächige Impfungen unabhängig von Prioritäten in den Grenzregionen zu Österreich oder Belgien beispielsweise wären größere Impfstoffmengen erforderlich.

"Das wären dann viel mehr Dosen, die man braucht. Dann müsste man wirklich entscheiden: Woher nehmen wir die Dosen? Wen setzen wir dann zurück, wer wird dafür später geimpft?"
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Wissenschaftsjournalistin erinnert daran, dass 20-Jährige nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen. Sie findet, es dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass bis jetzt die meisten älteren Menschen zwischen 65 und 80 noch nicht geimpft sind. Diese haben ein deutlich höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben.

Regelabweichungen erhöhen das Risiko

Hotspot-Impfungen, also flächendeckendes Impfen unabhängig von Prioritäten, brächten grundsätzlich die gleichen Probleme mit sich. Sie befürchtet logistische Probleme und dass eine größere Zahl an Menschen tödlich erkrankt.

"Je stärker, je häufiger man von der Priorisierung, der Impfreihenfolge abweicht, desto mehr riskiert man, dass diese Menschen ins Krankenhaus müssen oder sterben."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin