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Frankreich führt einen Reparatur-Index ein, der Verbrauchern anzeigt, wie gut oder schlecht sich ein Gerät reparieren lässt. Er soll dabei helfen, den unnötigen Neukauf von elektronischen Geräten zu verhindern. Doch der Index hat große Schwachstellen.

Kennt ihr bestimmt: Smartphones, Computer und andere Elektrogeräte gehen häufig viel zu schnell kaputt. Reparieren geht oft nicht oder ist einfach zu teuer. Die Folge: Wir sind mehr oder weniger gezwungen, uns immer wieder schnell ein neues Gerät zu kaufen. Das freut die Hersteller – und kostet uns viel Geld. Außerdem entstehen Unmengen an Elektroschrott, wertvolle Ressourcen werden verschwendet und der C02-Ausstoß vergrößert. Frankreich hat diesem Teufelskreis jetzt den Kampf angesagt.

Entscheidungshilfe für Verbraucher

Der Reparatur-Index funktioniert ähnlich wie die Energielabels, die auf eurem Kühlschrank oder Herd kleben, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Auf denen könnt ihr sehen, wie viel Strom das Gerät verbraucht, also wie energieeffizient es ist. Der Reparatur-Index zeigt auf eine ähnliche Weise an, wie schwer oder wie leicht ein Gerät zu reparieren ist: Abgebildet ist ein Schraubenschlüssel mit Reparierbarkeits-Werten von 1 (schlecht) bis 10 (gut).

"Abgebildet ist ein Schraubenschlüssel mit Reparierbarkeits-Werten von 1 (schlecht) bis 10 (gut), dazu eine Farbskala von grün über gelb bis rot."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Der Reparatur-Score muss direkt auf dem Produkt oder der Verpackung sowie im Verkaufsregal angebracht werden. Er soll also eine Entscheidungshilfe beim Kauf sein. Ein Handy, das nur einen Score von 4,2 hat, lässt man wahrscheinlich lieber liegen.

Zunächst gibt es diesen Index nur für Smartphones, Laptops, Rasenmäher, Staubsauger und Waschmaschinen. Stück für Stück soll das dann auf alle elektronischen Produkte ausgeweitet werden.

Den Prüfkatalog haben die französischen Behörden festgelegt. Dort ist genau ausgeführt, wie der Score berechnet wird: Es wird zum Beispiel gecheckt, wie gut die Reparaturanleitungen sind, wie einfach etwas zu demontieren ist, oder wie leicht man Ersatzteile kommt und was die kosten.

Riesige Schwachstellen

Eine große Schwachstelle dabei ist allerdings, dass die Hersteller den Score nach diesem behördlichen Prüfkatalog selbst ausrechnen. Das berichtet das Techblog netzpolitik.org. Und: Die Einordnungen der Hersteller werden anschließend nicht weiter überprüft, das heißt, es gibt keine Instanz, die nachrechnet, ob die Traumnote 9,1 für das Handy überhaupt gerechtfertigt ist.

"Die Hersteller rechnen den Score selbst aus, das wird scheinbar nicht kontrolliert. Und der behördliche Prüfkatalog ist schwammig und ausufernd."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Zudem sei der Kriterienkatalog ziemlich schwammig, die Reparatur-Scores seien zum Teil nur schwer nachvollziehbar, so unsere Netzreporterin. Ein Beispiel: Das Fairphone, das sich ja komplett zerlegen und aufrüsten lässt, müsste eigentlich einen sehr guten Reparatur-Score haben. Tatsächlich hat es aber einen schlechteren Wert erzielt als ein handelsübliches Samsung-Gerät. Das liegt daran, dass das Fairphone in der Unterkategorie Ersatzteile ziemlich miese Werte erzielt, erklärt netzpolitik.org. Denn da es ein vergleichsweise kleines Unternehmen ist, sind die Ersatzteile nicht so schnell lieferbar.

Auch EU plant Right to Repair

Beim französischen Modell gibt es also noch an vielen Stellschrauben Verbesserungsbedarf. Es sei zu hoffen, dass die EU, die auch gerade an einem europaweiten Reparaturindex bastelt, das besser macht, sagt Marine Schulte.

Fest steht: Ein Recht auf Reparatur soll es auch europaweit geben. Das EU-Parlament hat einen Vorstoß der EU-Kommission jedenfalls unterstützt. Einzelheiten sind aber noch nicht bekannt. Bisher gibt es auf EU-Ebene noch nicht genug Gesetzesinitiativen, um Elektroschrott zu reduzieren. Die Aktivisten der Kampagne "Right to Repair" hoffen, dass die französische Initiative auch auf EU-Ebene etwas in Gang bringt.