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Er gilt als der Vater Europas: Karl der Große ist Eroberer, Bildungsreformer und Herrscher über ein weit ausgedehntes Reich. Seine Regentschaft hat Europa maßgeblich geprägt.

Am ersten Weihnachtstag 800 besuchen der fränkische König Karl und Papst Leo III. die heilige Messe in der Basilika Sankt Peter im Vatikan. Angeblich ist Karl im Gebet versunken, als der Papst hinter ihn tritt und dem erstaunten König die Krone eines römischen Kaisers auf den Kopf setzt. Daraufhin habe der römische Klerus mit der Litanei begonnen, und der Papst habe dem verdutzten Karl die Füße gewaschen - so beschreibt es Einhard, der Biograf des fränkischen Herrschers, der Zeitzeuge des Vorgangs in Rom gewesen ist.

"Er war auch an einer Verbesserung der Bildung interessiert – mit dem Ziel, die Liturgie in den Kirchen seines Reiches zu vereinheitlichen. Diese Reform entwickelt auch eigene Schwerpunkte und wird heute als Karolingische Renaissance gesehen."
Matthias Becher, Historiker

Tatsächlich dürfte die Krönung zum Kaiser über das riesige Frankenreich – das mit heutigen Umrissen etwa Frankreich, die Benelux-Länder, die Schweiz, Österreich sowie die Bundesrepublik umfasst und über das nördliche Italien bis zum damaligen Herzogtum Spoleto reicht – durchaus im Plan Karls gelegen haben. Deshalb hat er Papst Leo III. zuvor unterstützt und ihn gegen den römischen Stadtadel verteidigt, der dem Papst lasterhafte Lebensweise vorgeworfen hatte.

Die politische und die geistliche Macht gehen ein Bündnis ein

Karl ist als fränkischer König in die Basilika St. Peter gegangen und hat sie als "Augustus" verlassen. An diesem Weihnachtstag 800 gehen die weltlich-politische und die geistliche Macht ein Bündnis ein, das den europäischen Kontinent in den kommenden Jahrhunderten nachhaltig formt: Die römisch-deutschen Kaiser christianisieren Europa, sie werden zur Schutzmacht der römischen Päpste und über lange Zeit die Wahrer der "Universitas Christiana".

Das römische Papsttum drückt über die – oft rigorose – Verbreitung der christlichen Lehre dem Kontinent ebenfalls einen bis heute wirksamen Stempel auf. Durch den Humanismus und die Reformation, durch Aufklärung und Französische Revolution, sind diese Werte gegen den Willen der römischen Kirche verändert und – wenn man so will – modernisiert worden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker und Karls-Experte Max Kerner berichtet über das Leben des fränkischen Königs, dem im Aachener Dom und durch den jährlich vergebenen Karlspreis ein ehrendes Andenken gewidmet ist.
  • Der Historiker Matthias Becher ordnet die Bedeutung der Herrschaft der fränkischen Könige für die mittelalterliche Geschichte Europas ein.
  • Der Heidelberger Historiker Bernd Schneidmüller geht dem "fränkischen Erbe" nach, das in Europa heute noch zu spüren ist.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Voraussetzungen, unter denen die weltlich-geistliche Zusammenarbeit am Beginn des Mittelalters begonnen hat.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Benedikt Schulz schildert die Ereignisse in der Basilika Sankt Peter am ersten Weihnachtstag 800.