Am Montag wird der Router-Zwang abgeschafft. Ab dem 1. August können wir frei bestimmen, welchen Router wir benutzen, wenn wir einen Vertrag bei einem Internet-Provider abschließen.

Bisher hatten wir keine freie Wahl. Oft bekamen wir bei vielen Providern einen miesen Router vorgesetzt. Bestenfalls konnten wir uns aus mehreren Modellen einen auswählen. Diverse Netzbetreiber haben Kunden bisher daran gehindert, eigene Router direkt am Internetanschluss zu betreiben – sie verweigerten etwa die Herausgabe von Zugangsdaten.

Die Anbieter, vor allem die Kabelbetreiber wie etwa Unity Media, begründeten das mit der Sicherheit: Nur mit dem Hausrouter der Firma könne man sicherstellen, dass die Router "korrekt" ans Netz angebunden werden.

Vorteil für den Kundendienst?

Der wirkliche Hintergrund dürfte aber sein, dass die Internetprovider sich den Kundendienst etwas einfach machen wollten. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, bei einheitlichen Routern seien weniger Fragen zu klären, als wenn bei jedem Kunden ein anderes Gerät zu Hause blinkt.

Es ist höchste Zeit, dass damit am Montag Schluss ist, sagt DRadio-Wissen-Netzreporterin Martina Schulte. Viele Router, die Internetprovider uns aufnötigen, seien miserabel.

"Die Surf-Geschwindigkeiten, die in Werbeanzeigen versprochen werden, werden mit diesen Gurken oft nicht eingehalten."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Die Gesetzesänderung soll, so hofft die Politik, zu mehr Wahlfreiheit und Wettbewerb unter den Herstellern führen.

Was ändert sich genau?

  • Alle neuen Internetanschlüsse müssen künftig mit einem frei wählbaren Router angeboten werden
  • Alle Anbieter von Internet-Breitbandanschlüssen (DSL und Kabel) sind dazu verpflichtet, bei Vertragsabschluss dem Kunden die kompletten Zugangsdaten zu übergeben
  • Das heißt, ihr könnt euch einen eigenen Router kaufen oder den Leihrouter nutzen - aber ihr müsst das nicht

Die Bundesnetzagentur erwartet, dass diese Wahlmöglichkeit in der Praxis für alle Kunden umgesetzt wird.

Chaos statt Champagner

  • Die neue Regelung interpretieren viele Internetzugangsanbieter so, dass sie nur für Neukunden gilt - aber nicht für uns, die überwiegende Mehrheit, die bereits einen Vertrag haben
  • Andere Anbieter sind so freundlich, dass sie ab sofort auch allen Bestandskunden die freie Routerwahl gestatten
  • Wieder andere wollen, dass ihr dafür in einen neuen, möglicherweise nicht mehr so vorteilhaften Vertrag wechselt.

Was tun, wenn mein Betreiber zickt?

golem.de schrieb bereits Mitte Mai: "Neben den Kabelnetzbetreibern Unitymedia und Vodafone (Kabel Deutschland) rücken die Breitbandanbieter Wilhelm.tel, M.net, O2 und EWE noch nicht vollständig die Zugangsdaten heraus."

Grundsätzlich könnt ihr ab dem 1. August darauf bestehen, eure Zugangsdaten vom Provider zu erhalten. Giga.de rät: Falls der Anbieter nach einer Frist von einigen Wochen nicht mit den gewünschten Daten herausrückt, solltet ihr ihn schriftlich dazu auffordern.

Wenn eine positive Antwort daraufhin immer noch ausbleibt, könnt ihr dem Provider auch mitteilen, dass ihr kündigen werdet – dadurch gelangt ihr in eine bessere Verhandlungsposition und in vielen Fällen lassen die Anbieter dann eher mit sich reden.

Ihr könnt euch auch bei der Bundesnetzagentur oder den Verbraucherzentralen beschweren.