Eine Prinzentaufe ohne die Öffentlichkeit? Für manche ein Ärgernis, für die britischen Royals eine Frage der Privatsphäre. Unser Reporter hat sich die britische Königsfamilie ein bisschen genauer angesehen – gemeinsam mit einer Ethikerin.

Die britische Königsfamilie darf inzwischen eigentlich alles, nur verstecken soll sie sich bitte nicht. Im Vereinigten Königreich herrscht Unruhe, weil Archies Taufe im kleinen Kreis mit rund 25 Gästen stattfinden soll. Die Taufpaten möchten außerdem unerkannt bleiben. Archie ist der Sohn von Herzogin Meghan und Prinz Harry.

Unser Reporter Stephan Beuting hat sich umgehört, wie viel Privatsphäre dieser besonderen Familie wohl zuzugestehen ist. Immerhin hat sich auch der Dekan der Chelmsford Cathedral geäußert und gesagt, dass eine Taufe niemals privat sein solle, diene sie doch dazu, die Liebe Gottes öffentlich zu zeigen. Seine Worte gegenüber der BBC waren: "Baptism should never be private - it's a public demonstration of God's love."

Stephan hat noch ein anderes Argument für eine öffentliche Taufe aufgetan: Weil Royals mehr als 40 Millionen Euro im Jahr kosten, müssten die britischen Bürgerinnen und Bürger der Taufe auch zuschauen dürfen. Hofbiografin Penny Junor ist der Ansicht, die Royals sollten ihr Leben völlig privat halten, ihren Haushalt selbst finanzieren und sich den Blicken der Öffentlichkeit entziehen oder eben mitspielen.

In der Grauzone zwischen privat und öffentlich

Beate Rössler ist Professorin für Ethik an der Universität Amsterdam. Sie beschäftigt sich intensiv mit dem Wert des Privaten. Diese Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem, sagt Rössler, sei nie ganz genau zu ziehen und grundsätzlich in Bewegung.

"Bei der Taufe versuchen die Royals diese Grenze etwas anders zu ziehen als bisher. Das wird jetzt ein Hin und Her geben."

Beate Rössler weist darauf hin, dass Royals in Holland nur bei ganz bestimmten Gelegenheiten fotografiert werden dürfen, dass dort also andere Konventionen gelten. In England gebe es eine viel brutalere Presse, die Jagd auf möglichst private Fotos mache. Als Ethikerin habe sie, wenn das ein Grund für die private Taufe sei, dafür großes Verständnis.