John F. Kennedy, dessen Todestag sich am 22. November 2018 zum 55. Mal jährt, war der erste "Telepräsident" der amerikanischen Geschichte. Tanja Weber hat dessen charismatisches Auftreten in der Öffentlichkeit analysiert.

Zu seinen Tea-Partys lädt US-Präsident John F. Kennedy (im Bild ein Filmstill aus "JFK" von Oliver Stone, 1991) unter anderem Mütter ein, die ihre Söhne im Zweiten Weltkrieg verloren hatten. Es wird sehr schnell zu dem gesellschaftlichen Ereignis schlechthin, bei dem alle dabei sein möchten. Damit gelingt John F. Kennedy, eine Verbundenheit mit seinen Wählerinnen und Wählern aufzubauen. 

JFK - der Mann der Nähe

Verstärkt wird diese Verbundenheit später, indem sich der US-Präsident zweimal wöchentlich in einer eigene Fernsehshow präsentiert. Außerdem führt die First Lady, "Jackie" Kennedy, die Amerikaner zum ersten Mal durchs Weiße Haus und zeigt beispielsweise das Schlafzimmer via Kamerateam des Fernsehsenders CNN.

"Die Zuschauer kennen die Medienfigur, treffen sich mit ihr vor dem Bildschirm und nehmen teil an ihrem medialen Leben."
Tanja Weber, Kulturwissenschaftlerin

Nach seiner Ermordung wird der US-Präsident weiter inszeniert - auch dank der Witwe und Fotografin "Jackie" Kennedy. Sie hat ein Händchen für Inszenierungen und prägt die "mediale Beerdigung" ihres Mannes.

Mediales Ereignis "Black Weekend"

Die Tage vor der Beerdigung gehen als "Black Weekend" in die Geschichte ein. Viele Amerikaner sehen sich zwei Tage lang zwischen acht bis elf Stunden die Vorausberichterstattung über die Beerdigung an. Aus John F. Kennedy wird schließlich ein televisuelles Denkmal, das nicht mehr unterscheiden lässt zwischen einem echten und einem inszeniertem Bild.

"Irgendwann verlor ich den Überblick. Was war echt, was war nur gespielt?"
Natalie Portman in "Jackie - die First Lady"

Kennedy markiert mit seiner medialen Omnipräsenz den Beginn einer neuen Ära im Politgeschäft, urteilt die Kulkturwissenschaftlerin Tanja Weber. 

Während andere Politiker noch damit hadern vor der Fernsehkamera den Mund aufzumachen - aus Sorge, sich zu versprechen und das nicht mehr korrigieren zu können -, flirtet John F. Kennedy bereits mit dem Publikum. 

Der Mitschnitt des Vortrags von Tanja Weber vom Institut für Medienkultur stammt vom 28. November 2017. Sie hat ihn an der Universität Köln unter dem Titel "Telepräs(id)ent Kennedy" gehalten.

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