Der designierte Präsident berücksichtigt bei der Besetzung diverser Posten auch seine Familienmitglieder. Das mag zu kritisieren sein. Dass Politik von Familien gemacht wird, hat in den USA aber Tradition.

Trump muss Tausende Stellen besetzen rund um seine Regierung und das Weiße Haus. Seine Frau Melania ist als First Lady sowieso dabei, aber auch seine Tochter Ivanka und sein Schwiegersohn Jared Kushner sind im Gespräch für hochrangige Posten. Das Anti-Nepotismus-Gesetz verbietet zwar, dass direkte Familienmitglieder offizielle Ämter belegen. Sie könnten aber auch einfach als inoffizielle "strategische Berater" fungieren und trotzdem einen hohen Einfluss erhalten.

Trump führt die Tradition der Familien-Clans in der US-amerikanischen Politik fort - "wenn auch auf besondere Art und Weise", sagt Boris Vormann, Professor am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin. So sei bei ihm deutlicher die Vermischung aus wirtschaftlichem Interesse und Präsidentenamt zu spüren. Die Tochter Ivanka nutzte zum Beispiel ein Trump-Interview, um Schmuck aus ihrer eigenen Kollektion zu bewerben.

Carter musste Erdnuss-Fabrik loswerden

Eigentlich müsse sich Trump von seinen Firmen und Investment-Immobilien auch trennen. Früher hätten Präsidenten das gemacht. So hat Jimmy Carter seine Erdnussfabrik abgestoßen, Richard Nixon hat sich von Teilen seines Vermögens getrennt.

Trump mag einiges anders handhaben - aber dass Familien in der US-amerikanischen Politik eine große Rolle spielen, ist schon viele Jahre so:

  • Der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, John Adams, war Vater von John Quincy Adams, dem sechsten Präsidenten.
  • "Im 19. Jahrhundert gab es ganz viele Politiker, die miteinander verwandt waren", sagt Boris Vormann - "auch wenn man die meisten von ihnen heute nicht mehr kennt".
  • Die Familie Kennedy brachte viele einflussreiche Politiker hervor. Die Tochter von John F. Kennedy, Caroline, ist seit 2013 Botschafterin der USA in Japan.
  • Auch die Familie Bush ist sehr erfolgreich in der US-amerikanischen Politik. George H.W. und George W. waren der 41. und 43. Präsident, Jeb Gouverneur in Florida. Der Großvater Prescott der beiden Brüder George W. und Jeb Bush wurde 1952 Senator für Connecticut.
  • Und dann sind da natürlich noch die Clintons, die als erstes Ehepaar in den USA die Chance hatten, sich beide "Präsident" beziehungsweise "Präsidentin" nennen zu können.

Warum es solche politischen Familien in Deutschland nicht oder deutlich weniger gibt, liegt zum einen einfach an Geld. Der Wahlkampf in den USA ist teuer. Eine reiche Familie im Rücken leistet finanzielle Hilfe.

"Zum anderen", sagt Boris Vormann, "muss man sich in der Parteienlandschaft in den USA scheinbar noch mehr vernetzen, als das in Deutschland der Fall ist." Da ist es dann bequem, wenn der Vater oder der Ehemann schon mal Vorarbeit geleistet hat.