Menschen mit Rückenschmerzen gehen oft sehr schnell zum Arzt, werden dann in die Röhre zum Kernspin geschoben, oder auch operiert. Doch nicht immer macht das Prozedere Sinn. Manchmal ist Abwarten erst mal die bessere Medizin.

Die Gründe für Rückenschmerzen sind verschieden: Sie können körperlich aber auch psychosomatisch bedingt sein. Oft sei das nur sehr schwer herauszufinden, sagt unsere Reporterin Verena von Keitz.

"Grundsätzlich ist die Vorgabe eigentlich: Wenn ein Patient mit Rückenschmerzen zum Arzt kommt, dann am besten erst mal abwarten und Tee trinken."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

In vielen Fällen verschwinden Rückenschmerzen nach einigen Wochen von selbst, sagt Verena. Oft würden Patienten viel zu schnell geröntgt, oder in die Röhre zum Kernspin geschoben. 

"Röntgenbilder zeigen bei manchen Menschen zum Beispiel oft auch Auffälligkeiten an der Wirbelsäule an, obwohl die gar keine Probleme damit haben", so Verena. Gibt es keine Hinweise auf ernsthafte Verletzungen, dann seien Bildaufnahmen deshalb erst dann ratsam, wenn die Schmerzen länger als vier Wochen anhalten.

In Bewegung bleiben

Die Meinung, sich bei Rückenschmerzen zu schonen und auszuruhen, sei überholt, sagt Verena, denn eine schwache Rückenmuskulatur führt zu Fehlhaltungen und sorgt eventuell für noch mehr Schmerzen.

"Es gibt Studien, die zeigen, dass Gymnastik, Kräftigungsübungen, Yoga oder auch Pilates davor schützen können, dass Rückenschmerzen wiederkommen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Allerdings sollte man hierbei einen fachkundigen Trainer an seiner Seite haben, der die Übungen und Bewegungsabläufe genau kontrolliert, sagt Verena. 

Positionsveränderungen sind wichtig

Wer bei der Arbeit viel vor dem Computer sitzt, der sitzt dort nach kurzer Zeit oft vornübergebeugt und zusammengesunken. Das sei Gift für den Rücken, sagt Verena: "Das geht dann auch in Schultern und Nacken, also nicht nur klassisch in die Kreuzschmerzregion im unteren Rücken". Auch hier helfen Bewegung und gezielte Übungen, um die Muskulatur zu stärken.

"Die eine Hand an den Hinterkopf legen und die andere an den oberen Rücken und das dann immer wechseln. Das mobilisiert schön den Bereich Nacken und zwischen den Schultern."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Am besten sei es, sagt Verena, am Tag verschiedene Positionen einzunehmen und zu wechseln: vom Sitzen zum Stehen, vom Stehen zum Sitzen. Im Sitzen ruhig auf dem Stuhl hin- und herrutschen. Und wenn der Stuhl das hergibt, ist sogar kippeln erlaubt. 

"Und immer wieder aufstehen. Zum Drucker gehen. Zu den Kollegen persönlich, nicht nur Mail schreiben oder anrufen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova