1922 ist das britische Weltreich so groß wie nie. Aber wie wurde es so riesig? Der Beginn liegt wohl in Streitigkeiten zwischen England und Spanien im 16. Jahrhundert.

Der Ursprung des britischen Weltreichs liegt im 16. Jahrhundert: Die englische Königin Elisabeth I. erlaubt in diesen Jahren spanische Schiffe, die voll beladen aus Südamerika nach Europa unterwegs sind, zu kapern und die Ladungen zu plündern.

Diese Freibeuterei gegen spanische und portugiesische Schiffe löst 1585 einen Krieg aus, bei dem es neben den ökonomischen Aspekten um die wechselseitige Unterstützung der religiösen Minderheiten geht: Das katholische Spanien hatte die englischen Katholiken unterstützt, während das protestantische England den protestantischen Niederländern im 80-jährigen Krieg gegen die spanische Fremdherrschaft beigestanden war.

1604: Friedensvertrag zwischen England und Spanien bietet Grundlage für "British Empire"

Am 28. August 1604 unterzeichnen beide Seiten einen Friedensvertrag, der unter anderem England erlaubt, Handel in West- und Ostindien zu betreiben. Das ist der Startschuss für den Ausbau einer englischen Flotte und den Aufbau von überseeischen Stützpunkten für englische Schiffe. Gleichzeitig formulieren britische Intellektuelle die Forderung nach einem britischen Imperium, das diesen weltweiten Handel stützt.

Mit der Gründung der Ostindien-Kompanie – noch während des Krieges gegen Spanien – ist eine Organisation gegründet worden, die im Auftrag der englischen Krone den Handel mit Ostindien und später auch Ostasien abwickelt. Die Ostindien-Kompanie weitet ihre Macht immer weiter aus. Im 18. Jahrhundert hat sie eine militärische, administrative und wirtschaftliche Dominanz in Südostasien erlangt.

Auflösung der Ostindien-Kompanie und Politik der "splendid isolation"

Ende des 19. Jahrhunderts wird der Widerstand gegen die Ostindien-Kompanie stärker, 1857 ist ein Aufstand in Indien Auslöser für das Ende der Kompanie. 1873 muss die Ostindien-Kompanie aufgelöst werden.

Die britische Krone übernimmt die direkte Kontrolle über das Einflussgebiet der Kompanie. Zusammen mit den Besitzungen in Australien und Neuseeland drückt Großbritannien dem "britischen Jahrhundert" nun seinen Stempel auf.

Abgesehen von verlorenen nordamerikanischen Kolonien während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, ist England an der Schwelle zum 20. Jahrhundert eine weltumspannende Seemacht, die sich als Inselstaat unangreifbar fühlt. Sie betreibt die Politik der "splendid isolation" und lehnt damit dauerhafte Allianzen oder andere Verpflichtungen gegenüber den europäischen Mächten ab.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Marburger Historiker Benedikt Stuchtey erläutert die Entwicklung des "British Empire" im 19. Jahrhundert.
  • Der Kölner Historiker Peter Alter ist Experte für die Geschichte des Hauses Windsor und schildert deren Verhältnis zum "British Empire".
  • Der Journalist und England-Experte Thomas Kielinger beleuchtet die aktuelle britische Politik in Zeiten des Brexits und sucht nach Spuren der Ideologie des "British Empire".
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Anfängen des britischen Weltreichs im 16. Jahrhundert.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff berichtet über die Zeit, als das "British Empire" seine größte Ausdehnung erreicht hat.

Hinweis: Es ist ein Symbolbild zu sehen. Die Karte ist nicht von 1922, sondern von 1907.