Wissarion nennt sich der Sektenführer der Kirche des letzten Testaments. Gemeinsam mit seinen Anhängern lebt er als Selbstversorger in der Ökopolis Tiberkul in der russischen Taiga. Fotografin Julia Sellmann hat einige Wochen mit der Sekte gelebt und ihre Mitglieder porträtiert.

Ein bisschen größenwahnsinnig klingt es schon: Wissarion, mit bürgerlichen Namen Sergei Anatoljewitsch Torop, denkt, dass er die Reinkarnation Jesus von Nazarets sei. Seit den 1990er Jahren gelang es ihm, rund 4000 Anhänger um sich zu scharen.

"Die kommen ja alle aus einem ganz normalen bürgerlichen Leben - irgendwoher aus Russland und auch manche aus Deutschland. Das sind quasi "Neubauern", die das selbst gewählt haben und nicht in dieses Leben hineingeboren wurden."

Auf diversen Deutschlandtouren konnte er auch viele Deutsche von sich begeistern. 1997 gründete er die Siedlung Ökopolis Tiberkul in der russischen Taiga. Mehrfach schaffte es Sektenführer Torop, die Zerschlagung seiner Glaubensgemeinschaft zu verhindern, indem er sie als ökologisch-spirituelle Gruppe darstellte, die frei von religiöser Orientierung sei. Dem widerspricht natürlich seine Überzeugung, dass er die Reinkarnation Jesus von Nazarets sei.

"Wissarion durfte ich leider nicht fotografieren, das war für mich lange Zeit ein Thema für meine Bachelorarbeit. Ich hatte eine Gemeinschaft fotografiert, aber quasi deren Beweggrund gar nicht vor die Kamera bekommen."

Auf der Suche nach einer Gemeinschaft, die sich selbst versorgt, ist sie auf die Ökopolis Tiberkul gestoßen. Sie nahm Kontakt auf und bekam die Erlaubnis mit den Sektenmitgliedern zu wohnen, um sie zu porträtieren. Julia Sellmann gibt uns im Interview Einblicke hinter das so friedliche wirkende Bild der größten Selbstversorgergemeinschaft weltweit.

Der Drang nach Gruppenzugehörigkeit

Immer wieder gerät Sergej Torop in die Kritik aufgrund seines Führungsstils, fehlenden Beweisen für seine Behauptungen und polygamen Verhältnissen mit Anhängerinnen. Fotografin Julia Sellmann studiert Fotografie in Dortmund. In ihren Arbeiten setzt sie sich immer wieder mit dem menschlichen Streben nach Gruppenzugehörigkeit auseinander.

Fotogalerie - Arbeiten von Julia Sellmann

"Wenn Gartenarbeit verübt wird, haben sie üblicherweise irgendwelche Schlunzklamotten an. Wenn sie in die Kirche gehen, dann haben sie oft selbst gestrickte oder selbst genähte Kleidung an, die meistens weiß ist, weil weiß als "reine" Farbe gilt."

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