Der Säbelfechter Max Hartung hatte eigentlich geplant, nach den Olympischen Spielen in diesem Sommer seine Karriere zu beenden - mit einer Gold- oder Silbermedaille um dem Hals. Dann kam Corona. Als Athlet hat er Verantwortung gezeigt und seine Teilnahme zu einem frühen Zeitpunkt abgesagt.

Der am 8. Oktober 1989 geborene Athlet hat sich früh für das Fechten begeistert. Die Olympischen Sommerspiele 2012 waren für ihn ein Highlight. Zwar hat er keine Medaillen mitgenommen, aber die Spiele mit allem Drum und Dran hat er ganz unbeschwert genossen. Diese Haltung hat sich bei den Spielen in Rio de Janeiro 2016 grundlegend geändert.

Politische Verantwortung als Athlet

Der Unmut in der Bevölkerung, weil Menschen für Stadionbauten aus ihren Wohnungen ausziehen mussten, ein Ticketskandal, Korruption, der Dopingskandal bei der russischen Mannschaft. "Da war ich als engagierter Athleten-Vertreter mittendrin und konnte die Olympischen Spiele in Rio nicht mehr so unbeschwert genießen, wie das noch bei den Spielen in London der Fall war", erzählt Max Hartung.

Für ihn der Anlass, den Verein "Athleten Deutschland" zu gründen, dessen Präsident er heute noch ist.

"Wir sind als Sportler immer Teil der Gesellschaft und werden von ihr gefördert und unterstützt, weil wir die Menschen begeistern mit dem, was wir tun. Mit dieser Aufmerksamkeit geht auch eine Verantwortung einher, das bedeutet immer auch ein Stückweit eine politische Dimension."
Max Hartung, Säbelfechter

Max Hartung ist sich seiner Rolle bewusst. Die Aufmerksamkeit, die ihm als Athlet zuteilwird, bedeutet für ihn: Verantwortung zeigen. Das habe auch immer eine politische Dimension, sagt der Säbelfechter.

Absage für die Olympischen Spiele 2020

Als aktuell Zweiter der Weltrangliste hat die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio für Max Hartung mehrere Dimensionen: Zum einen ist seine Karriere als Sportler davon direkt betroffen - denn er hätte gute Chancen auf Medaillen im Säbelfechten gehabt.

Zum anderen hat er mit seinem Verein und Vertreterinnen und Vertretern anderer Sportarten einen Austausch darüber organisiert, wie sich die Athletinnen und Athleten zu den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Olympischen Spiele verhalten sollen.

"Ich habe für mich im März schon entschieden, dass ich nicht zu den Olympischen Spielen fahren werde, lange bevor das IOC entschieden hat, die Spiele zu verlegen."
Max Hartung, Säbelfechter

In der Rolle als Athlet und gesellschaftlicher Akteur hat er Verantwortung gezeigt und entschieden, dass die Gebote, möglichst wenige Menschen zu treffen und zu Hause zu bleiben, eine Teilnahme an den Olympischen Spielen im Sommer 2020 unmöglich machen. Die Anforderungen des Trainings und der Wettkampfvorbereitung hätten das verboten.

Max Hartung Säbelfechter
© Marinus Veit
Max Hartung

Dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) lange daran festgehalten hat, die Spiele durchzuführen, kritisiert Max Hartung. Obwohl ihm bewusst ist, dass die Olympischen Spiele ein Riesenevent sind, das sich nicht so einfach verschieben lässt.

"Ich hätte es gegenüber der Öffentlichkeit und den Athleten fair gefunden, wenn das IOC schon im Frühjahr über die Verlegung, die entstehenden Kosten oder möglichen Alternativen diskutiert hätte, damit man als Athlet die Entscheidung auch besser nachvollziehen kann."
Max Hartung, Säbelfechter

Für die Athleten sei es schon traurig, dass die Spiele ausgefallen sind, weil sie viel Training investiert hätten. Auf der anderen Seite seien sie aber auch erleichtert gewesen, als die Entscheidung fiel, weil danach Klarheit herrschte.

Hoffen auf die Olympischen Spiele 2021

Max Hartung hat in der Zwischenzeit weiter trainiert und hofft, dass die Spiele nächstes Jahr stattfinden können. Er ist einzeln und mit der Mannschaft für die Olympischen Spiele qualifiziert. Bei den Spielen möchte er noch einmal sein Bestes geben und dann seine Karriere mit einer Art Abschlussparty beenden. "Das würde ich mich mir sehr wünschen."

"Ich versuche mich fit zu halten für die Olympischen Spiele, bin aber über die aktuell sich verschärfende Entwicklung der Pandemie in Europa besorgt."
Max Hartung, Säbelfechter

Im Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Moderator Sebastian Sonntag spricht Max Hartung auch darüber, wie er überhaupt zum Fechten gekommen ist und was das Faszinierende an dem Sport ist.