Wenn sich jemand rassistisch äußert, sei Schweigen keine Lösung, meint der Autor Philipp Steffan. Den Mund zu halten, könnte als Zustimmung verstanden werden. Wie wir es besser machen können, schreibt er in seinem Buch "Sag was!".

Beim Familienfest haut der Onkel plötzlich einen miesen Spruch gegen Flüchtlinge raus. Was tun? Auf taub stellen und nichts sagen, weil es bei dem Onkel doch eh nichts bringt? Oder soll ich den Mund aufmachen und dagegenhalten? Auf jeden Fall widersprechen, meint der Autor Philipp Steffan. Zu schweigen könne sonst als Zustimmung verstanden werden. Es gehe aber auch darum, zu verhindern, dass hetzerische und ausgrenzende Sprüche irgendwann zur Normalität werden.

"Wenn man hetzerische Sprüche unwidersprochen im Raum stehen lässt, dann verschiebt sich die Grenze dahin, dass solche Sprüche irgendwann normal sind. Das finde ich extrem gefährlich."
Philipp Steffan, Autor des Buches "Sag was!"

Wie wir in solchen Situationen besser reagieren, dass hänge natürlich sehr von den Umständen ab. Wenn der Onkel zum ersten Mal so negativ auffalle, sollten wir darauf bedacht sein, das Thema am gemeinsamen Tisch nicht sofort zu sehr hochzuschaukeln. Sonst könne eine Mauer entstehen, die in einem späteren Gespräch nicht zu überwunden sei.

Ist der Onkel schon öfters auffällig geworden, dann helfe es zum Beispiel mit Humor oder Zuspitzungen zu kontern, sagt Philipp Steffan. Vor Feiern sei es auch ratsam, Unterstützer im Familienkreis zu suchen – auch, um nicht als Buhmann dazustehen, der die Stimmung am Tisch versaut.

Don't feed the troll – nicht nur im Netz

Natürlich könne die Geisteshaltung einer Person nicht in einem Gespräch geändert werden, sagt Philipp Steffan. Doch schon das Einschreiten und Wiedersprechen könne im Nachhinein einen Denkprozess beim Gegenüber auslösen. Dass alleine sei schon ein kleiner Erfolg. Auch darum sei jede Diskussion wichtig, so der Autor.

"Schon dadurch, dass man ein Gespräch geführt hat, hat man ein Prozess ausgelöst, dass die Person in Nachhinein darüber nachdenkt und sich vielleicht zwei, drei Gedanken dazu macht."
Philipp Steffan, Autor des Buches "Sag was!"

Merke ich, dass mein Gegenüber überhaupt kein Interesse an einem Gespräch oder Austausch hat und vielmehr nur eine Plattform für seine Sprüche sucht, dann hält es Philipp Stefan mit dem Grundsatz, den wir vor allem aus Social Media kennen: "Don't feed the Troll". "Denn dann ist es auch ganz klar, dass man das Gespräch nicht weiter führen muss", so der Autor.

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Trotzdem sei es wichtig, auch im Netz nicht alles unkommentiert zu lassen und so gut es geht, zu widersprechen. Allerdings könne sein Ausruf "Sag was!" im Netz so nicht funktionieren. "Das würde bedeuten, dass man sein ganzes Leben damit verbringen muss, sich von Seite zu Seite zu klicken. Und das ist natürlich nicht ganz realistisch", so der Autor. Reagieren sollten wir aber auf jeden Fall auf eigenen Seiten oder bei eigenen Beiträgen.