Eigentlich ist der Sommerschlussverkauf Quatsch: Die Rabatte gibt's vorher schon, im Internet teilweise dauerhaft. Aber: Ein groß beworbenes Sale-Event lockt dann eben doch noch mal mehr Kunden an, sagt Marktpsychologe Stephan Grünewald.

Hier gibt's 20 Prozent, im Laden gegenüber 50 Prozent und im Jeans-Schuppen die Straße runter bieten sie sogar 70 Prozent Rabatt auf ausgewählte Hosen an. Immer. Eigentlich haben wir Kunden gar keine Chance, den diversen Rabattaktionen aus dem Weg zu gehen. Und trotzdem trommeln die Geschäfte nun wieder laut zum großen Sommerschlussverkauf: Sale!

SSV: In Städte pilgern, Schnäppchen suchen

Wir haben einen Ganz-Jahres-Rabatt. Der Sommerschlussverkauf ist trotzdem etwas besonderes, er ist ein Gemeinschaftserlebnis. "Wenn man über den SSV ein Event kreiert, dann weckt man die Kampf- und Jagdgelüste der Kunden", sagt Stephan Grünewald, Marktpsychologe und Chef vom Rheingold-Institut. Durch das kollektive Datum gibt es einen Anreiz, in die Städte zu pilgern und Schnäppchen zu suchen.

"In der Psyche der Menschen verursacht diese Rabattaktion buchstäblich Rabatz."

Stephan Grünewald muss aber einschränken: Der ganz großen Run auf die Geschäfte, wie es ihn vor einigen Jahren noch gegeben hätte, wird ausbleiben. Der Handel wird trotzdem viele Kunden bekommen und viel Geld einnehmen. Der Psyche von uns Kunden sei Dank: "Das ist eine gigantische Selbsterpressung", sagt Grünewald. Wir haben das Gefühl, wenn wir jetzt nicht zugreifen, verpassen wir die Chance auf Schnäppchen.

Das ökonomische Erwachen nach dem Kaufrausch

Danach kommt dann der ökonomische Katzenjammer: Wir haben zu viel eingekauft, haben Zeug in die Tüte gestopft, das wir eigentlich gar nicht brauchen - und das uns noch nicht einmal so wirklich gefällt. Aber immerhin gab es den hässlichen Fummel zum halben Preis - und die Ernüchterung hält auch nur bis zum nächsten Sommerschlussverkauf.

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