Bismarck, Bujang Senang, Sweetheart und Brutus heißen sie – die berühmten Salzwasserkrokodile. Biologe Mario Ludwig stellt uns die vier Vertreter der weltweit größten Krokodilart vor.

Der Name ist Programm: Salzwasserkrokodile bewohnen im Gegensatz zu anderen Krokodilen dank einer hohen Salzverträglichkeit nicht nur Flüsse und Seen, sondern auch das Meer. Deshalb haben "Salties" – wie sie in Australien genannt werden – das größte Verbreitungsgebiet aller Krokodile überhaupt: Es reicht von Indien über Südostasien bis nach Australien und umfasst fast die gesamte ozeanische Inselwelt.

Die bekanntesten Salzwasserkrokodile

Bismarck, das sehr freundliche Krokodil

In der australischen Kleinstadt Cardwell fand im März 2019 eine ungewöhnliche Trauerfeier statt: Rund 50 Trauergäste erwiesen dem Salzwasserkrokodil Bismarck die letzte Ehre. Denn er war gewissermaßen ein Promikrokodil und in seiner Gemeinde sehr beliebt – die Bewohner erzählen, dass Bismarck zutraulich und nie aggressiv gewesen sei. Mehr als 80 Jahre alt soll er gewesen sein. Daher gehörte das Salzwasserkrokodil ins Stadtbild und war aus Sicht der Bewohner ein Teil der Gemeinde.

"Er war einer von uns, Teil unserer Gemeinde, ein netter Riese, nie aggressiv."

Bujang Senang, der Menschenfresser

Aber nicht alle berühmten Salzwasserkrokodile sind so freundlich zu den Menschen ihrer Umgebung wie Bismarck – im Gegenteil. Viele Salzwasserkrokodile erlangten eine große Bekanntheit, weil sie notorische Menschenfresser waren. Das wohl berühmteste Salzwasserkrokodil aller Zeiten war ein über sechs Meter langes Tier namens Bujang Senang - der Krieger von Senang.

Auf der Insel Borneo hat er über mehr als fünfzig Jahren sein Unwesen als berüchtigter Menschenfresser getrieben. Je nach Quelle hat das Krokodil in Sri Aman, einem Distrikt im malaysischen Teil der Insel Borneo, zwischen 14 und 100 Menschen getötet. Dadurch hat er in der ganzen Dorfgemeinschaft ständig für Angst und Schrecken gesorgt. Sein Ende fand Bujang Senang, der auf dem Rücken einen weithin sichtbaren weißen Streifen trug und daher leicht zu identifizieren war, 1992 durch Scharfschützen der Polizei.

Sweetheart, der eigentlich nur einen Konkurrenten vertreiben wollte

In Australien werden solche aggressiven Krokodile auch "Schurkenkrokodile" genannt. Das berühmteste dieser "Schurkenkrokodile" war mit Sicherheit ein männliches Salzwasserkrokodil namens Sweetheart. Sweetheart sorgte in den 1970er Jahren durch wiederholte Angriffe auf Fischerboote im Norden Australiens für Furore. Dieses große Salzwasserkrokodil biss bei seinen Angriffen nicht nur Löcher in die Seitenwände der Boote, sondern beschädigte auch die Außenbordmotoren. Einige Boote wurden durch die Wucht der Angriffe sogar zum Kentern gebracht. Menschen kamen bei den Attacken des offensichtlich notorisch wütenden Krokodils erstaunlicherweise nicht zu Schaden.

"Sweetheart war wirklich immer sehr wütend. Aber Menschen sind nie zu Schaden gekommen."
Mario Ludwig über das Salzwasserkrokodil Sweetheart

Sweetheart attackierte die Boote im Northern Territory nach Ansicht von Experten nicht etwa, weil er verstärkten Appetit auf Menschenfleisch verspürte, sondern weil er sein Revier verteidigen wollte. Das im Alter bereits etwas kurzsichtige Männchen hielt offenbar das Geräusch der Außenbordmotoren für das Grollen eines rivalisierenden Artgenossen. Und diesen wollte Sweetheart aus dem eigenen Territorium zu vertreiben. Leider ist Sweetheart 1979 bei dem Versuch ihn zu fangen, durch "unglückliche Umstände" getötet worden.

Brutus, der Haijäger

Brutus ist ein fünfeinhalb Meter langes und wahrscheinlich über 80 Jahre altes Krokodil, das im Adelaide River im Norden Australiens lebt. Sein Markenzeichen ist ein fehlender Vorderfuß. Brutus macht Jagd auf Bullenhaie, die neben dem weißen Hai und dem Tigerhai zu den gefährlichsten Haien der Welt gehören. Seit Brutus dabei gefilmt wurde, wie er einen fast zwei Meter langen Bullenhai erbeutete und verspeiste, ist er nicht nur zu einer lokalen Berühmtheit geworden.

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Touristen kommen täglich zum Adelaide River, um bei einer geführten Bootsfahrt das berühmte haifressende Krokodil zu sehen. Und oft gelingt es, Brutus ganz nah ans Touristenboot heranzulocken. Dort springt er dann bis zu zwei Meter aus dem Wasser, um sich einen Fleischbrocken zu schnappen, den die Reiseführer ihm mit einem Stock vom Boot aus vor die Schnauze halten.