Samira El Ouassil stand zum ersten Mal 2009 als Kanzlerkandidatin von Martin Sonneborns "Die Partei" auf der politischen Bühne – was letztlich nichts anderes als Theater sei. Schauspiel hat die 34-Jährige gelernt, verdient aber auch Geld damit, Kolumnen für Magazine oder Reden für Politiker zu schreiben. Im Interview erläutert sie, warum sie sich als Bademeisterin der Medien sieht.

Fast wäre Samira El Ouassil nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Deutschen Literatur an der Uni geblieben – in der Forschung und Wissenschaft. Aber das hätte sie nicht glücklich gemacht. Das weiß die 34-Jährige heute noch genauer als damals. Glücklicherweise halfen ihr der Zufall und auch ihr Mut, einen anderen Weg einzuschlagen.

Kanzlerkandidatur für "Die Partei" 2009

Den Grundstein dafür legte sie während der Phase, als sie eigentlich die Masterarbeit schreiben sollte, aber viel prokrastinierte. In dieser Zeit besuchte sie eine Lesung des Satirikers Martin Sonneborn. Nach der Lesung sprach sie ihn an, kam mit ihm ins Gespräch und stand am Ende des Abends als Kanzlerkandidatin 2009 für "Die Partei" fest. Der Slogan lautete letztlich: "Es muss ein Rock durch Deutschland gehen".

El Ouassil: Politik ist wie Theater

Für Samira El Ouassil war einer der Höhepunkte dieser Zeit, als sie eine Pressekonferenz von Hape Kerkeling kaperten. In seiner Rolle als Horst Schlämmer wollte er ebenfalls als Kanzler kandidieren – die Pressekonferenz wurde live im Fernsehen übertragen. Der Auftritt dauerte gar nicht lange, sei aber sehr lehrreich gewesen: "Ich habe gedacht: Ok, jetzt muss ich aufpassen, jetzt lerne ich, wie Politik funktioniert." In der Schauspielerei gehe es nicht darum, Realität abzubilden, sondern Wahrhaftigkeit. Und in der Politik verhalte sich das ähnlich, sagt Samira.

"Schauspielerei schafft es eben gar nicht, eins zu eins die Realität abzubilden, aber ihr gegenüber loyal zu bleiben und dadurch dann neue Wahrheit freizusetzen. Das heißt: Wahrhaftigkeit ist extrem wichtig. Und in der Politik verhält es sich ähnlich."
Samira El Ouassil, Schauspielerin und Autorin

Politik sei wie Theater, sagt Samira El Ouassil. Es sei eine Inszenierung und Präsentation – genau wie auf ihrer satirischen Pressekonferenz, die bedingt durch das Sommerloch viele Hauptstadtjournalistinnen und -journalisten besuchten: ein künstlich geschaffenes Medienereignis, das die Medienrealität zwar überzeichnete, aber ihre Strukturen offenlegte. "Im Grunde ist politisches Arbeiten oft das Schaffen von Inhalten, damit es eine Abbildung dieser Inhalte gibt und überhaupt über diese Inhalte gesprochen wird", so Samira El Ouassil.

"Jeder spielt die beste Version seiner selbst. Es ist ja im Grunde genommen wie beim ersten Date."
Samira El Ouassil, Schauspielerin und Autorin
Samira El Ouassil im Portrait
© Deutschlandfunk Nova | Stefan Klüger
Samira El Ouassil im Portrait

Noch vor dem Ende ihres Studiums hatte sich Samira El Ouassil erfolgreich für eine Schauspielausbildung beworben. Eine Planänderung, die ihre Eltern super fanden, weil sie auch merkten, dass das etwas ist, das ihre Tochter glücklich macht.

"Ich habe festgestellt, dass es mich doch glücklicher macht, einen Baum auf der Bühne zu spielen, als noch länger in der Forschung zu bleiben."
Samira El Ouassil, Schauspielerin und Autorin

Ihre erste Rolle als Schauspielerin im Fernsehen hatte Samira El Ouassil in "Sturm der Liebe". Aus heutiger Sicht würde sie die Darstellung ihrer Figur wahrscheinlich monieren, sagt sie: "Ich war eine sexuell aggressive Lärmpegel-Reporterin, die auch alle Klischees wirklich einmal abgearbeitet hat."

"Ich bin eine mittelmäßige Schauspielerin"

Aber die Schauspielerei mache ihr einfach unglaublich viel Spaß. Das Spielkind in ihr breche sich da Bahn und sie liebe es, "kurz den Geist einer anderen Person auszuleihen und sich dabei auch ein bisschen selber schenken zu dürfen".

Die großen Hauptrollen habe es bisher aber nicht gegeben, sagt sie und schätzt sich ganz bescheiden eher als mittelmäßige Schauspielerin ein. Das mache sie aber gut.

"Also ich bin ja so eine mittelmäßige Schauspielerin, das aber sehr gut, würde ich mal sagen."
Samira El Ouassil, Schauspielerin und Autorin

Schauspielerei ist aber nicht das einzige, womit Samira El Ouassil ihr Geld verdient. Nebenher schreibt sie noch Kolumnen für Übermedien und den Spiegel oder verfasst als Ghostwriterin Texte und Reden für Politiker. Zusätzlich macht sie noch mit Friedemann Karig den Podcast "Piratensender Powerplay".

Hier kommt ihr die Kanzlerkandidatur aus dem Jahr 2009 zu Gute, wo sie sich die Instrumente der Satire abgeschaut habe, sagt sie. Ironie scheine in ihren Texten gerne mal durch – auch wenn es sich um ernste Themen drehe. In Vorbereitung darauf verbringe sie ihre Zeit damit, das Internet zu kontrollieren und den Diskurs im Blick zu behalten, wie sie sagt. Sie sei sozusagen die "Bademeisterin der Medien".

"Im besten Fall kontrolliere ich das Internet und halte den Diskurs im Blick. – Das ist vielleicht meine Geschichte: die Bademeisterin der Medien."
Samira El Ouassil, Schauspielerin und Autorin

Zusammenfassend würde sie sich selbst als Autorin bezeichnen, die übrigens – wie sie verrät – viele ihrer Texte mit dem Zwei-Daumen-Prinzip am Handy schreibt und deren liebster Ort zum Nachdenken die Badewanne ist.