Shitstorms gehören heute zum digitalen Alltag. Ein falscher Tweet zur falschen Zeit oder eine unliebsame politische Meinungsäußerung – schon formt sich eine digitale Welle des Hasses. Ein Vortrag des Medienwissenschaftlers Rupert Gaderer.

Der Shitstorms ist ein Kampf um des Kampfes willen, ein Selbstzweck also: Die Aufregung, die Weiterverbreitung, die vielen Kanäle, Retweets, Gegenreaktionen, das ist genau das, was gewollt ist. So bekommt man Aufmerksamkeit.

"Beim Shitstorm geht es darum, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sie den Gegenspielern zu entziehen."

Ärger machen und provozieren, damit beschäftigt sich Rupert Gaderer schon lange. Er ist Literatur- und Medienwissenschaftler und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Querulieren. Streit, Wahnsinn und Lärm 1700-2000." Rupert Gaderer ist also Fachmann, wenn es um Ärger geht.

"Der Shitstorm ist der Hass in medialer Gestalt des Hetzschwarms."

Der Shitstorm ist eine ganz besondere Form des Ärgers, die unter ganz speziellen Bedingungen entsteht. Dabei spielen die technologischen Voraussetzungen eine große Rolle – zum Beispiel, dass Tweets und Posts immer kurz sein müssen. Dadurch ist kein Raum da, um eine Meinung differenziert und nuanciert zu äußern.

Gewollt verletzende Shitstorms

"Diese Angriffe können so verletzend sein, weil Medien den Hass in die unmittelbare Nähe der entfernten Menschen bringen", sagt Rupert Gaderer. Er kommt zu einem nicht gerade aufmunternden Schluss: Shitstorms sind nicht etwa "Fehler" der digitalen Welt, sondern gehören fest dazu.

Maßnahmen gegen den Hass

Deshalb sollten wir sie dennoch nicht einfach akzeptieren. Wir müssen aber viel nachdenken darüber, wie sich soziale Medien möglicher Weise anders gestalten und strukturieren lassen, um die vernichtende Kraft der Internet-Hetze zu brechen.

Rupert Gaderer hat seinen Vortrag "Missmut, Agitation und Social Media" am 15. Januar 2019 am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen gehalten im Rahmen der Reihe "Kleine Gefühle".

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