Sars-CoV-2 wird endemisch. Das heißt: Auch nach der Pandemie bleibt es bestehen, mutiert und gefährdet insbesondere vulnerable Menschen. Weltweite Netzwerke sollen helfen, das Virus zu beobachten.

Vor allem von zwei Faktoren hängt es ab, wie sehr uns Sars-CoV-2 künftig - auch nach dem Abklingen der Pandemie - beschäftigen wird:

  1. Abwehrkräfte der Menschen
  2. Evolution des Virus

Voraussichtlich wird in Deutschland der größte Teil der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz erhalten haben. Wer diesen nicht besitzt, werde sich anstecken, das heißt, auf die eine oder andere Art Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet haben, sagt unter anderem der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update".

Allerdings werden die Antikörper nach einigen Monaten wieder zurückgebildet. Sobald das passiert, können wir uns erneut anstecken. Allerdings ist in den meisten Fällen nicht zu erwarten, dass es zu einem schweren Verlauf der Krankheit kommt. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass unsere sogenannten T-Gedächtniszellen uns vor einer heftigen Erkrankung schützen können.

Virus-Evolution: Neue Wellen im Herbst möglich

Schon jetzt zeigt sich, dass Virus-Mutanten niedrige Infektionszahlen relativ schnell wieder ansteigen lassen können. Zurzeit ist das in Großbritannien der Fall, wo sich die als stärker ansteckend geltende Delta-Variante ausbreitet.

Je nachdem wie sich hierzulande die Balance von Abwehr und Varianten verhält, kann es zu einer neuen Welle kommen, sagt Volkart Wildermuth.

"Es gab noch nie so viele Informationen zu einem Erreger, aber die Daten kommen natürlich vor allem aus Regionen mit guter Laborinfrastruktur."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Experten gehen davon aus, dass Sars-CoV-2 langfristig zu einem weiteren Virus werden wird, das im Winter Erkältungen auslöst und bei einigen Personen auch schwere Symptome hervorrufen kann. Ob es sich zu einem harmloseren Erkältungsvirus entwickeln wird oder zu einem, das ähnliche Erkrankungen wie die gefährliche Influenza auslöst, ist noch offen.

Auch anderes ist noch ungewiss: Beispielsweise wie lange es dauern wird, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Erreger und Wirt eingespielt hat, wie viele Mutationen es noch geben kann oder welche Möglichkeit das Virus möglicherweise noch finden wird, um der Immunantwort unseres Körpers auszuweichen.

Letztendlich muss das nicht heißen, dass wir mit immer neue Wellen konfrontiert werden, aber es wird wahrscheinlich notwendig sein, die Impfstoffe immer wieder anzupassen.

Sequenzen und klinische Daten überwachen

Die Evolution des Sars-CoV-2 wird auf zwei Ebenen überwacht. Zum einen durch Sequenzierung. Damit kann festgestellt werden, welche Varianten sich ausbreiten und das möglichst überall auf der Welt. Die Daten kommen vor allem aus Regionen mit guter Laborinfrastruktur.

Zum anderen werden klinische Informationen ausgewertet: Mit welcher Variante stecken sich mehr Menschen an? Kann eine bestimmte Mutante der Immunabwehr ausweichen? Welche Symptome werden verursacht?

Diese Daten seien schwerer zu dokumentieren, aber wichtig, um Veränderungen in den Sequenzen einzuordnen und zu interpretieren.

Dazu kommen noch die Laborexperimente, mit denen die Impfstoffhersteller prüfen, ob ihre Vakzine noch wirkungsvoll sind.

"Zwei Mal im Jahr setzen sich die ExpertInnen zusammen und passen den Impfstoff an."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Bei der Grippe hat die Weltgesundheitsorganisation schon seit 1952 eine globale Kooperation aufgebaut. Aktuell machen da Laboratorien aus 126 Ländern mit. Es gibt sechs Zentren in Australien, China, Japan, Großbritannien und zwei in den USA. Anhand dieser Daten beraten sich Expertinnen zweimal im Jahr darüber, wie Impfstoffe angepasst werden können.

In Deutschland überwacht das Robert-Koch-Institut (RKI) die Grippe auf verschiedenen Ebenen. Zum einen werden die Labormeldungen erfasst. Außerdem informieren rund 10.000 Personen pro Woche über die an das RKI angebundene Website Grippe-Web darüber, ob sie Atemwegsbeschwerden haben.

Rund 800 Arztpraxen der Arbeitsgemeinschaft Influenza melden, welche Symptome ihre Patientinnen und Patienten haben und senden Proben ein. Außerdem berichten 70 Krankenhäuser über schwere akute Atemwegsinfektionen.

Das RKI hat dieses Überwachungsnetzwerk bereits ab dem Februar 2020 genutzt, um auch das neuartige Coronavirus und seine Folgen in den Blick zu nehmen.