Runter vom Rücksitz: Ab Sommer 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren - ohne Mann, ohne Vormund. Werden weitere Reformen folgen?

Als letztes Land der Welt erlaubt nun das streng islamische Saudi-Arabien den Frauen das Autofahren. König Salman ordnete das per Dekret an. Ab Juni 2018 ist es so weit.

Aufhebung des Fahrverbots

Frauen sollen dann auch ohne einen männlichen Vormund fahren dürfen. Die Entscheidung passt zum Kurs des Königssohns Mohammed bin Salman

"Es hatte sich abgezeichnet, weil unter dem neuen König Salman noch in den letzten zwei Jahren eine gewisse gesellschaftliche Öffnung Einkehr gehalten hat - insbesondere die Rechte der Frauen wurden deutlich verstärkt."
Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin

Noch in der Nacht zum Mittwoch sind einige Frauen vor Freude durch die Straßen gefahren - sie posteten Online-Videos: "Saudi-Arabien wird nicht mehr so sein wie zuvor", sagte Manal al-Scharif, das bekannteste Gesicht der Aktivistinnen, die gegen das Fahrverbot gekämpft hatten. Sie war 2011 festgenommen worden, weil sie Auto fuhr, um für ihre Sache zu demonstrieren.

Verbot zum "Schutz" der Frau

Die Begründungen für das Fahrverbot klingen in unseren Ohren abenteuerlich - Geistliche hatten beispielsweise behauptet, dass Autofahren nicht gut für die Eierstöcke und damit fürs Kinderkriegen sei. Andere sagen, Frauen könnten vergewaltigt werden, wenn ihr Auto liegen bleibt. Also sei das Verbot ein Schutz.

"Es geht darum, der Welt zu zeigen, dass man in Saudi-Arabien Reformen durchführen kann. Dass man gewillt ist, die Rolle der Frau zu verbessern."
Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin

Die Frauen in Saudi-Arabien haben nun leichten Aufwind, sagt Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Die Aufhebung des Verbots ist aber auch ein Stück weit Symbolpolitik. Saudi-Arabien möchte so ausländischer Kritik begegnen, so Sons. Denn das Land sei in den letzten Jahren in die Kritik geraten, unter anderem im Konflikt mit Katar.

"Frauen waren immer darauf angewiesen, dass sie ein männlicher Verwandter oder ein professioneller Fahrer zu ihrem Arbeitsplatz oder sonstwohin fahren muss."
Sebastian Sons, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin

Frauen können nun künftig sehr viel mobiler sein als vorher. "Es gibt so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr in Saudi-Arabien", sagt Sons. Und nicht jede Frau im Land könne sich einen professionellen Fahrer leisten.

Frauen gesellschaftlich benachteiligt

Die große Mehrheit in Saudi-Arabien erhofft sich eine weitere gesellschaftliche Öffnung, meint Sons. Besonders Frauen drängen auf Reformen, denn sie haben nach wie vor Nachteile bei der Berufswahl: Sie dürfen nicht in allen Sektoren arbeiten oder studieren, was sie wollen. "Quasi in jedem gesellschaftlichen Bereich sind Frauen benachteiligt."

Deutschland begrüßt die neue Regelung - wie viele andere Länder: "Wir unterstützen den Reformkurs Saudi-Arabiens", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wir ermutigen Saudi-Arabien, diese Reformen fortzusetzen und auch die Bürgerrechte in Saudi-Arabien zu stärken."