Saudi-Arabien arbeitet am Image: Frauen bekommen immer mehr Rechte. Nachdem sie seit einem Jahr alleine Auto fahren dürfen, sollen sie jetzt auch die Wirtschaft ankurbeln. Denn: Saudi-Arabien möchte weg vom Öl und braucht Arbeiterinnen und Arbeiter, die Steuern zahlen.

Saudi-Arabien setzt auf die Frauen. In letzter Zeit werden ihnen immer mehr Rechte zugesprochen: Im Juni 2018 wurde das Autofahrverbot für Frauen aufgehoben – ein historischer Tag im islamisch-konservativen Königreich. Mittlerweile dürfen sie auch ohne die Erlaubnis eines männlichen Vormunds reisen oder alleine eine Wohnung mieten, wie unsere Reporterin Anne Françoise Weber berichtet.

Frauen würden im Alltag nicht mehr von einer Religionspolizei auf ihre Kleidung angesprochen. Und: Immer mehr Frauen im Land verdienen ihr eigenes Geld. Sie arbeiten als Anwältinnen, Richterinnen oder Polizistinnen.

Frauenrechte ja, aber das konservative Königshaus sagt wie

Mit dieser klaren Linie möchte das saudische Königshaus, besonders Kronprinz Mohammed Bin Salman, die Wirtschaft des Landes verändern. Denn: Saudi-Arabien finanziert sich durch das Geld aus Ölgeschäften – bis jetzt. Das Königshaus will nun aber die Privatwirtschaft ankurbeln, da das Geschäft mit dem Öl in absehbarer Zeit nicht mehr rentabel sein wird, so Anne Françoise Weber.

"Junge Frauen werden besonders an den Frauenuniversitäten gefördert. Da ist das Anliegen, das Führungspersonal von morgen auszubilden."
Anne Françoise Weber, Dlf-Reporterin in Riad

Die Folge: Die Saudis müssen mehr arbeiten und Steuern bezahlen. Dafür braucht es eben auch die Unterstützung der Frauen. Und somit hat die Frauenförderung im Land einen wirtschaftspolitischen Hintergrund.

In speziellen Frauenuniversitäten werden junge Frauen daher bestmöglich ausgebildet und gefördert, eine finanzielle Unterstützung erhalten sie vom Staat. Schon jetzt haben Unternehmen den Auftrag, genauso viele Frauen wie Männer einzustellen.

Gerade bei den jungen saudischen Frauen zeigen die Fördermaßnahmen Wirkung: Sie spüren die Unterstützung, sagt Anne Françoise Weber. Sie fühlten sich, als ob ihnen die Welt offen stehe. Dabei sei aber auch klar: Die Entscheidungsmacht liegt weiterhin klar beim Königshaus. Einfordern können Frauen ihre Rechte nicht.

"Veränderungen kommen eben immer von oben, Einsatz für die eigenen Rechte ist gefährlich."
Anne Françoise Weber, Dlf-Reporterin in Riad

Wer sich dem Königshaus widersetzt, der lebe weiterhin gefährlich. Meinungsfreiheit gibt es in Saudi-Arabien weiterhin nicht. Deutlich werde das bei der Diskussion ums Autofahrverbot: Einige saudische Aktivistinnen, die das Aufheben des Verbots eingefordert hatten, sitzen bis heute im Gefängnis und werden dort vermutlich auch gefoltert, so unsere Reporterin.