Saudi-Arabien arbeitet an seiner Außenwirkung - unter anderem mithilfe von Influencerinnen und Influencern. Sie sollen die aufregende, luxuriöse Seite des Königreiches in ihren Reisefotos zeigen.

Das Image Saudi-Arabiens ist geprägt durch eine Fülle an Kultur und Geschichte und gleichzeitig auch durch den Konflikt mit westlichen Rechten und Werten: Homosexualität wird zum Beispiel mit einer Gefängnisstrafe beziehungsweise mit dem Tod bestraft, die Rolle der Frau ist immer wieder in der Kritik und regimekritische Journalisten werden zum Schweigen gebracht – wie im Fall von Jamal Khashoggi.

Seit längerer Zeit möchte Saudi-Arabien daher mehr Touristen ins Land bringen: Zum Beispiel hat das absolutistisch regierte Königreich die Einreise für Touristen aus 49 Ländern im September 2019 gelockert, ebenso für Deutschland. Und: Seit über einem Jahr versucht Saudi-Arabien, sich von seiner positiven, attraktiven Seite darzustellen und holt Influencerinnen und Influencer ins Land.

"Die Kooperationen mit diesen Influencerinnen und Influencern sind teuer. Das zeigt, wie wichtig es für Saudi Arabien ist, mit schönen Instagram-Fotos das Image zu polieren."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dabei geht es um Influencer mit Einfluss: Mindestens um die 100.000 bis ein paar Millionen Followerinnen und Follower abonnieren ihre Profile auf Instagram. Eine Kooperation mit solchen Leuten koste viel Geld, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer. Das mache deutlich, wie interessiert Saudi-Arabien daran sei, mit vorteilhaften Instagram-Fotos am Image zu arbeiten.

Die Influencerinnen besuchen das Land aber nicht auf eine direkte Einladung des Königreiches. Die Reisen werden von "Gateway KSA" veranstaltet: eine Agentur der niederländisch-australischen Influencerin Nelleke van Zandvoort-Quispel.

Auf der Agenturseite heißt es dazu: "Gateway KSA supports Saudi Arabia's 2030 Vision by cultivating grassroots activity around the world, helping change the perception of the Kingdom among those who can most influence the future". Dafür suche es die Influencer, Entscheidungsträger und Anführer von morgen.

"Das Geld der Sponsoren kommt allerdings von verschiedenen Firmen, die staatlich kontrolliert sind."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Prinz Turki ibn Faisal, Mitglied der saudi-arabischen Königsfamilie und ehemaliger Geheimdienstchef, ist aktuell als Partner der Agentur aufgeführt. Zu den Sponsoren der Agentur gehören unter anderem auch Saudi Arabian Airlines, Saudi Telecom und Saudi Basic Industries – Firmen, die stattlich kontrolliert sind.

Mit Influencer-Marketing das Image Saudi-Arabiens aufbessern

In ihren Posts zeigen die Influencer ein Saudi-Arabien, das von Luxus und Abenteuern in der Wüste geprägt ist: Sie fliegen per Helikopter zu Ausflügen, gehen tauchen und posieren auf Kamelen.

Die Agentur sponsert die Reise und bestimmt damit das Ausflugsprogramm. Damit würde sie lenken, welche Seiten des Landes die Influencerinnen und Influencer mit ihren Followern teilen, sagt Anke van de Weyer.

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Mit den Medien darüber sprechen sei nicht erwünscht: Der Guardian berichtet, dass zwei der Influencerinnen und Influencer ein Interview abgesagt hätten – die saudi-arabische Tourismusbehörde habe es ihnen nicht erlaubt.

Follower sind größtenteils kritisch

In den Kommentaren unter den Posts der Influencerinnen und Influencer kommt teilweise viel Kritik von Followerinnen und Followern auf: Diese weisen auf die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien hin und stellen die Reisen der Influencer nach Saudi-Arabien infrage. Andere hingegen schwärmen vom Land und der Landschaft.