In Afghanistan übersetzte Sayed Rohullah im Auftrag der Bundeswehr. Die Lebensgefahr hielt auch nach dem Einsatz an. Da er keine Unterstützung erhielt, flüchtete er auf eigene Gefahr nach Deutschland.

Sayed Rohullah unterstützte fünf Jahre lang als Übersetzer die Bundeswehr in Afghanistan. Als sogenannter Sprachmittler war er dabei unbewaffnet. Ein lebensgefährlicher Einsatz. Nicht nur während des Auftrags, sondern auch danach: Aufständische Rebellen fotografierten ihn und fanden seine Identität heraus. Für radikale Gruppen, wie die Taliban, gelten die Bundeswehr-Helfer als Spione und Verräter. Sie müssen um ihr Leben fürchten. Sechs Monate lang versteckte er sich in einem Camp - die einzige Hilfe, die ihm angeboten wurde. Als die Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen wurde, beschloss er aus dem Land zu fliehen.

"Ich konnte nicht bleiben, weil die Deutschen Afghanistan verlassen haben. Als ich hörte, dass sie keine Pläne gemacht haben, die Übersetzer rauszubringen, habe ich mich für den illegalen Weg entschieden."
​Sayed Rohullah, afghanischer Übersetzer

Ortskräfte gelten bei Rebellen als Verräter

Beispiele für ermordete Ortskräfte gibt es immer wieder. Sayed Rohullah hat den Behörden alle Unterlagen gezeigt. Er versteht nicht, warum er schon seit anderthalb Jahren darauf wartet, dass über seinen Asylantrag entschieden wird. Warum ihm niemand antwortet, obwohl er für die Bundesrepublik Deutschland sein Leben riskiert hat. Bei einem Einsatz in Afghanistan fuhr das Fahrzeug, in dem er saß, auf eine Mine und sie explodierte. Seitdem hat er Herzprobleme. Eine Therapie wird ihm nicht zugestanden. Die Ärzte raten ihm, abzuschalten und an etwas anderes zu denken.

"Ich habe für deutsche Streitkräfte in Afghanistan gearbeitet. Mein Leben war in Gefahr. Niemand fragt jetzt nach mir oder danach, dass ich hier in einer schlimmen Situation bin."
​Sayed Rohullah, afghanischer Übersetzer

Ein Leben in der Schwebe

Nach einer langwierigen, gefährlichen Flucht, die ihn sein ganzes Erspartes gekostet hat, lebt Sayed Rohullah jetzt in einem Asylheim in Gerstungen. Die Massenunterbringungen, das zermürbende Asylverfahren, die soziale Isolation und das untätige Warten bleiben ihm nicht erspart. Nicht zu wissen, wie es weitergehen soll, macht ihm zudem zu schaffen. Unsere Autorin Johanna Hemkentokrax hat Sayed Rohullah in Gerstungen getroffen.