Wenn es um die Verschärfung von Waffengesetzen geht, denken wir als Erstes an die USA. Aber auch im Norden Europas wird darüber diskutiert. Die Finnen sträuben sich dagegen, ihre Gewehre abzugeben – aber aus ganz anderen Gründen als in den USA.

Die Europäischen Union (EU) hat sich festgelegt: Die Waffengesetze sollen verschärft werden. Brüssel will so Terroranschläge verhindert und die Mitgliedsstaaten müssen das umsetzen. Ein Land stellt sich allerdings quer: Finnland will nicht mitziehen. Weil sich das Land im Norden Europas als Land der Jäger begreift. Und das ist mehr als ein Hobby. Den Finnen geht es um die Verkehrssicherheit, erklärt unsere Reporterin Sabine Adler. 

Der Hintergrund: Wahrscheinlich hat jeder mitbekommen, dass in Finnland Elche leben. Zurzeit gibt es aber derart viele der mächtigen Hirsche, dass sie zum echten Problem auf den Landstraßen und Autobahnen werden können. Ein Unfall mit den riesigen Tieren kann tödlich ausgehen – für Mensch und Tier. Um das zu verhindern, werden viele finnische Straßen mit Zäunen gesichert. Und wo das nicht möglich ist, greifen die Finnen zum Gewehr. 

300.000 Waffenscheine haben die finnischen Behörden ausgestellt – das sind so viele wie im deutlich bevölkerungsreicheren Deutschland.  Ein Waffenhändler hat unserer Reporterin vorgerechnet, dass von diesen 300. 000 Finnen jeder Dritte einen Elch im Jahr schießen müsste. 

So viele Waffenscheine wie in Deutschland

Es gibt aber weitere Gründe, weshalb die Finnen nur ungern abrüsten wollen. Sie sehen sich als Hobbyschützen und Finnland als kleines Land nimmt auch gerne die Landesverteidigung in die eigenen Hände. Wer seinen Wehrdienst abgeleistet hat und ein Reservistendasein fristet, nimmt seine Waffe mit nach Hause und absolviert private Schießtrainings, um treffsicher zu bleiben. 

Das neue Gesetz aus Brüssel legt den Mitgliedsländern nahe, halb automatische Waffen, mit Ladevorrichtungen die mehr als zehn Schuss bei Gewehren oder mehr als 20 Schuss bei Pistolen aufnehmen können, zu verbieten. Die Finnen sehen zwei Probleme, wenn sie dieser Forderung nachkommen: Sie könnten der vermeintlichen Elchplage nicht mehr Herr werden und auch die Landesverteidigung würde viel teurer und sei nicht mehr gewährleistet. Das neue Gesetz sieht vor, dass Finnen ihre halb automatischen Waffen abgeben und sie für ein Schießtraining dann jedes Mal abholen müssen. Wobei abholen in der finnischen Weite oft eine Autofahrt von mehreren Stunden bedeutet.  

"Waffenbesitzer in Finnland sagen: Das ist doch alles restriktiv genug. Jetzt reicht es mal."
Sabine Adler über den Streit um schärfere Waffengesetze

Auch in Finnland hat es 2007 und 2008 zwei Schulmassaker mit 20 Toten gegeben, die Täter mit eingerechnet. In der Folge sind die Waffengesetze massiv verschärft worden. Seitdem beklagen Jäger und Sportschützen sie würden schon schief angesehen, nur weil sie eine Waffe besitzen. Wer eine Waffe erwerben will, muss mittlerweile in Finnland in einem Schießverein jahrelang unter Aufsicht geübt haben und das protokollieren lassen. Und wer eine Waffe besitzt, muss sie in einem abschließbaren Schrank aufbewahren – was auch von der Polizei kontrolliert wird.     

"Die zusätzliche Verschärfung der Waffengesetze bleibt den Ländern überlassen und Finnland wird da nicht mitziehen."
Sabine Adler über den Streit um schärfere Waffengesetze

Ein Jahr haben sie Finnen Zeit, das neue EU-Recht umzusetzen. Sabine Adler geht allerdings davon aus, dass sich die Nordeuropäer dagegen sträuben werden. Das Gesetz aus Brüssel lässt das zu. Schon heute gibt es jede Menge Ausnahmeregeln.