Wer Grenzschließungen im Schengenraum fordert, sollte bitte auch mal ausrechnen, was das kostet. Das hat die Bertelsmann-Stiftung gemacht: 77 bis 200 Milliarden Euro würden das allein für Deutschland zwischen 2016 und 2025 bedeuten.

Kann sich noch jemand daran erinnern, wie lästig die Grenzkontrollen zu unseren Nachbarstaaten waren? Seit 20 Jahren reisen wir unbeschwert durch den Schengenraum. Von den weggefallenen Grenzkontrollen profitiert aber auch der Handel zwischen den EU-Ländern. Wer jetzt fordert, die Grenze solle dicht gemacht werden, sollte noch mal kurz nachrechnen.

Ende Freiheit = Ende Wohlstand

Dabei hilft die Studie der Prognos AG, die die Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben hat. Ergebnis der Studie ist, dass europaweit mit einem Wachstumsverlust von bis zu 470 Milliarden Euro zu rechnen wäre. Allein für Deutschland haben die Wissenschaftler ein Minus von 77 Milliarden Euro zwischen 2016 und 2025 errechnet. Dabei haben sie die Kosten für unsere Handelspartner außerhalb der EU noch nicht aufgeführt.

Kosten verursachen die gestiegenen Transaktionskosten: Warteschlangen vor den Grenzübergängen, längere Transportzeiten, höhere Personalkosten. Dadurch steigen die Preise. Bei einer optimistischen Annahme von einem Prozent Preissteigerung, müsste Deutschland mit einer Wirtschaftseinbuße von 77 Milliarden zwischen 2016 und 2025 rechnen. Bei anderen Modellrechnungen gehen Wissenschaftler sogar von eine dreiprozentigen Preissteigerung aus. Demzufolge müsste Deutschland dann sogar mit mehr als 200 Milliarden Euro Verlust rechnen.

"Stau vorm Grenzübergang ..."

Laut Modellrechnung würden sich die Grenzkontrollen für Großbritannien besonders negativ auswirken, auch Frankreich würde hart getroffen werden. Aber auch alle anderen Länder, je nach dem wie stark sie vom Import abhängig sind, werden Einbußen hinnehmen müssen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen, müssten wir auch wieder an den Grenzübergängen anstehen. Wie sehr sich die Grenzschließung auf andere Politikbereiche und Kooperationen auswirkt, beispielsweise bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, lässt sich nur erahnen.