Europa tut sich schwer im Umgang mit Migranten, insbesondere mit Flüchtlingen. Das ist allerdings kein neues Problem, das erst durch die jüngsten starken Fluchtbewegungen entstanden ist. Schon seit dem Ende des Kalten Krieges müht sich Europa damit ab, eine praktikable gemeinsame Migrationsordnung zu finden.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wandelte sich die Migration in Europa grundsätzlich. Vorher galten Migrations- und Asylpolitik noch als Aufgabe der Mitgliedstaaten. Als sich die Wanderungswege aber änderten und die Zuwanderung nach Westeuropa zunahm, taten sich die europäischen Staaten zusammen, um Migration gemeinsam neu zu organisieren.

Europa sucht nach einer einheitlichen Migrationspolitik

Wir werden die eine Migrationsordnung nicht finden, meint der Historiker Frank Wolff vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück. "Das Ziel ist Aushandlung", sagte er im Rahmen der im Mai 2017 vom Zentrum für Zeithistorische Forschung veranstalteten Konferenz "Unmögliche Ordnung: Europa, Macht und die Suche nach einem neuen Migrationsregime".

"Wir sehen, dass einfache Regulierungen an der Komplexität von Migration scheitern, versuchen aber, diese Komplexität auszuhebeln, indem wir mehr Regulation einführen. Diese kognitive Dissonanz kostet derzeit tausende Menschenleben und treibt auch Europa immer weiter auseinander."
Frank Wolff, Historiker
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Die Frankfurter Historikerin Anne Siebold, die im gleichen Rahmen die Geschichte des Schengener Abkommens erläutert, kommt zu einem ähnlichen Schluss:

"Der Schengenprozess zeigt, dass über europäische Grenzfragen weder Klarheit noch Eindeutigkeit herrschte, sondern dass sie immer wieder Gegenstand kontroverser Verhandlungen waren und auch heute noch sind."
Angela Siebold, Historikerin

Auch Siebold sieht, ebenso wie Wolff und der dritte Redner im Hörsaal, der Osnabrücker Historiker Marcel Berlinghoff, deutliche Defizite in der europäisierten Migrationspolitik – von Beginn an bis heute. Berlinghoff konzentriert sich in seinem Vortrag auf die europäisierte Flüchtlingspolitik als Teil der Migrationspolitik.

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