Ja, es gibt schönere Dinge als Schimmel in der eigenen Wohnung zu entdecken. Aber in den meisten Fällen ist er von uns selbst verursacht und kann deshalb mit etwas Disziplin und fleißigem Lüften gut bekämpft werden.

Schimmelpilze – manchmal sehen sie fast schon aus wie Kunstwerke und ohne sie gäbe es beispielsweise keine Hefe und damit weder Bier noch Kuchen! Schimmelpilze sind natürliche Bestandteile unsere Natur, sie sind immer in der Luft - egal ob drinnen oder draußen – und haben wichtige Aufgaben zu erfüllen. Das alles tröstet uns aber kaum, wenn wir in der eigenen Wohnung plötzlich Schimmelflecken entdecken.

Der Schimmelexperte Jürgen Jörges hat darüber das Buch "Schimmel, Arsch und Zwirn" geschrieben und verrät uns, was wir in unseren Wohnungen besser machen können, um den Schimmel erst gar nicht wachsen zu lassen. Denn auch, wenn es laut dem Schimmelpilzleitfaden des Bundesumweltamtes keine Krankheit gibt, die auf einen speziellen Schimmelpilz zurückzuführen ist – Schimmel kann toxisch wirken und Allergene hervorrufen. In unseren Wohnungen hat er also nichts verloren.

"Schimmelpilze - ganz gleich welcher Art - haben in Wohnräumen nichts zu suchen."
Jürgen Jörges, Schimmelpilzexperte

Für Schimmel gibt es grob gesagt zwei Auslöser: Zum einen kann die Feuchtigkeit im Bauwerk - beispielsweise durch poröses Material oder Rohrschäden - Schimmel in der Wohnung hervorrufen. Diese zu beseitigen, dafür ist die Hausverwaltung zuständig.

Wie wir Schimmel auslösen

Wofür wir selbst verantwortlich sind: Alles, was wir in der Wohnung machen - vom Atmen über das Wäschewaschen und Kochen bis hin zum Schlafen - verursacht Feuchtigkeit, die sich dann in unserer Wohnung anstaut, sagt Jürgen Jörges.

"Alles, was ich in meiner Wohnung mache – atmen, putzen, waschen, kochen, bügel, Sport, Fernsehgucken – verursacht Feuchtigkeit."
Jürgen Jörges, Schimmelpilzexperte

Wenn dann an besonders kalten Stellen, wie häufig an Fensterfugen oder Stellen hinter einem Schrank, warme, mit Feuchtigkeit angereicherte Luft kondensiere, entstehe dort ein Feuchtfilm, auf dem sich die Schimmelsporen aus der Luft anreichern können. Um genau das zu verhindern, empfiehlt Jürgen Jörges vor allem eines: achtsamer mit unserer Wohnung umgehen und lüften, lüften, lüften.

"Achtsamer Wohnen"

Dem Schimmelexperten ist aufgefallen, dass sich das Wohnverhalten in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat – aber nicht das Lüftungsverhalten. Zum Beispiel bliebe uns morgens wenig Zeit, um noch mal schnell durchzulüften.

"Wir machen uns nicht bewusst, welche Veränderungen sich in unser Leben eingeschlichen haben, die sich negativ mit Schimmel bemerkbar machen."
Jürgen Jörges, Schimmelpilzexperte

Ein konkretes Beispiel: Wir duschen heute deutlich häufiger als beispielsweise in den 70er Jahren – viele Häuser stammen aber aus dieser Zeit, in der meist nur ein bis zwei Mal pro Woche geduscht oder gebadet wurde. "Nur aufgrund eines geänderten Waschverhaltens produzieren wir unter Umständen das Sieben- bis 14-fache an Luftfeuchtigkeit." Wir müssten also dementsprechend auch deutlich häufiger lüften.

Wer im Badezimmer zusätzlich Feuchtigkeit vermeiden möchte, der sollte nach dem Duschen nicht nur das Duschglas, sondern auch die Fliesen abziehen, damit diese Feuchtigkeit nicht noch zusätzlich in die Luft gelangt. Auch die Handtücher sollten am besten auf der Terrasse, dem Balkon oder am Fenster zum Trocknen aufgehängt werden.

Lüften ist das A und O

Grundsätzlich empfiehlt Jürgen Jörges vor allem jetzt in der Home-Office-Zeit alle eineinhalb Stunden die Fenster zu öffnen. Trocknet man nasse Wäsche in einem Raum, sollte man auch darauf achten, oft genug die Feuchtigkeit rauszulassen.

"Wenn ich Wäsche in der Wohnung trockne, dann reicht ein bis zwei Mal Lüften am Tag nicht."
Jürgen Jörges, Schimmelpilzexperte

Außerdem empfiehlt der Schimmelexperte, direkt nach dem Aufstehen die Bettwäsche, so wie das in unserer Großelterngeneration der Fall war, aus dem Fenster zu hängen oder auf dem Balkon zu lüften. So können Bettwäsche und die Matratze ausdünsten, und wer das Bettzeug aus dem Fenster hängt, lüftet garantiert eine Zeit lang.

Für Altbauwohnungen gilt zudem: nicht zu stark überheizen. Bei 24 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 60 bis 65 Prozent sei Schimmelbefall sicher.

Technische Möglichkeiten zur Schimmelpilzbekämpfung

Wenn der Schimmel trotz aller Disziplin beim Lüften hartnäckig bleibe, dann sollte man sich an die Hausverwaltung wenden. Entfeuchtungsgeräte, die in der Wand verbaut sind, ab einer bestimmten Luftfeuchtigkeit anspringen und sie nach draußen abführen, wären beispielsweise eine Möglichkeit. Darum müssen sich aber die Vermieter kümmern.