Schimpansen im Norden der Demokratischen Republik Kongo haben ihre eigene Kultur entwickelt. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen ernähren sie sich anders und haben dafür auch eigene Werkzeuge gebaut. Das hat eine Langzeitstudie ergeben. Forscher des Max-Planck-Instituts und der Universität Warschau haben die Ergebnisse jetzt veröffentlicht.

In Afrika gibt es inzwischen in verschiedenen Ländern sieben gut untersuchte Affengruppen, die zusammenleben. Forscher haben das Verhalten der Primaten in verschiedenen Langzeitstudien untersucht. Bekannt ist deswegen schon länger, dass die Tiere, die in Tansania, im Kongo oder in der Elfenbeinküste leben, unterschiedliche Verhaltensweisen haben: "Die einen knacken Nüsse, die anderen fischen eher nach Termiten", sagt Marina Scheumann. Sie forscht zu Primaten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Für die Forscher ist es nicht verwunderlich, wenn Tiere an unterschiedlichen Orten auch unterschiedliches Verhalten entwickeln. Was die Forscher hingegen interessiert, ist, dass in den Lebensräumen der Affen zum Teil die gleiche Nahrung vorkommt – etwa Termiten. Die Tiere benutzen aber nicht die gleichen Werkzeuge, also Stöckchen, um die Insekten aus ihren Löchern zu holen. Marina Scheumann erklärt, dass die Wissenschaftler nun davon ausgehen, dass die Affen im Kongo gar keine Termiten fressen.

"[Die Wissenschaftler] gehen davon aus, dass die Tiere im Kongo die Termiten nicht essen und auch dieses Termiten-Fischen nicht machen – so wie es andere Schimpansengruppen in anderen Gebieten Afrikas machen."
Marina Scheumann forscht zu Primaten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Wissenschaftler sind sich jetzt nicht ganz einig darüber, ob dieses unterschiedliche Einsetzen von Werkzeugen als eigenständige Kultur gewertet werden kann oder nicht. Der Grund dafür liegt in unterschiedlichen Definitionen von Kultur, sagt Marina Scheummann. Biologen und Primatenforscher definieren Kultur folgendermaßen: "Kultur ist es dann, wenn ein bestimmtes Verhalten von einer Generation an die nächste weitergegeben wird." So wie in diesem Fall der Einsatz von Stöckchen zum Termiten-Fischen. Anthropologen und Psychologen hingegen geht diese Definition nicht weit genug. "Die sagen, Kultur ist es erst dann, wenn auch eine sprachliche Komponente dabei ist", so Scheumann.

Rangniedere Tiere, die vorwitzig sind, sorgen für Innovation

In einer Gruppe von Affen werden neue Techniken nicht – wie man denken könnte – von den Chefs weitergegeben. Die haben genug damit zu tun, sich um ihre Weibchen zu kümmern und ihre Stellung zu behaupten, sagt die Primatenforscherin Scheumann. Es seien eher rangniedere Tiere, "die ein bisschen vorwitzig sind, die ein bisschen innovativ sein müssen, um ihr Futter zu kriegen. Die entwickeln dann solche neuen Techniken." Und die werden dann wiederum von anderen Gruppenmitgliedern übernommen.

"Man kann wahrscheinlich schon davon ausgehen, dass es eine Vorstufe ist unserer menschlichen Kultur."
Marina Scheumann forscht zu Primaten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Es stellt sich die Frage, ob wir aus diesen Beobachtungen auch Aussagen für uns Menschen ableiten können? Ein wenig schon, sagt Marina Scheumann. Wahrscheinlich sei das, was Forscher hier bei den Affen beobachten, auch eine Vorstufe unserer menschlichen Kultur. Allerdings haben wir Menschen noch mehr Möglichkeiten, Erlerntes weiterzugeben. Zum Beispiel einfach über erklärende Worte. Das können die Schimpansen nicht. "Die brauchen immer jemanden, der etwas vormacht. Und von dem machen sie das dann nach."

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