Unter den Modeexperten galt sie lange Zeit als verpönt und unsexy: die Jogginghose. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Schlabberlook hat es auf die Edel-Laufstege der Modemetropolen geschafft und plötzlich lieben Designer den Schlabberlook. DRadio-Wissen-Reporterin Sarah Tschernigow hat die Probe aufs Exempel gemacht und ist mit einer billigen Jogginghose zu Chanel gegangen.

Wer eigentlich zieht Jogginghosen an? Mögliche Antworten bisher waren Couchpotatos, Bodybuilder oder Künstler wie der Rapper MC Hammer. Von dieser Vorstellung kann man sich heute getrost verabschieden. Der Schlabberlook hat Einzug gehalten bis in die höchsten Etagen der Modewelt. Selbst ein Karl Lagerfeld musste sich eines Besseren belehren lassen:

"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."
Karl Lagerfeld, Modedesigner

Diese Aussage dürfte ihm noch öfter vorgehalten werden, schließlich schickte der Modedesigner im Frühjahr Supermodel Cara Delevigne in Paris auf den Chanel-Laufsteg - mit einer Jogginghose, rosa und durchlöchert. Die Schlabberhose bekam ein neues Image. Nur das Wort Jogginghose nehmen Labels wie Chanel dann doch nicht so gerne in den Mund. Auf Anfrage unserer Reporterin Sarah Tschernigow zur Laufstegvorführung in Paris antwortete das Unternehmen per Mail:

"Sie trägt ein rosa Ensemble aus Wolle und Angora. Der Look besteht aus einem Kurzpullover mit cut-outs's und dazugehörigen Leggins, ebenfalls mit cut-out's."
Statement des Designer-Lables Chanel

Selten wurde eine zerschnittene Jogginghose mit schöneren Worten beschrieben. Dennoch hat Chanel mit der fluffigen Hose nicht das Rad neu erfunden, denn schon in vergangenen Saisons haben Designer die Jogginghose wiederentdeckt.

Down Dressing schindet Eindruck

Beachtet man ein paar Dinge, dann macht die Jogginghose richtig was her und ist dazu noch ein echtes Statement. Forscher der Harvard Business School meinen sogar, dass ein solches Down-Dressing wie sie es nennen, richtig Eindruck schinden kann. Laut ihrer Studie wurde Menschen, die mit Jogginghose in eine teure Boutique gingen, ein höherer gesellschaftlicher Status zugeschrieben, als den klassischen Schicki-Micki-Kunden - denn sie strahlen aus: Ich habe es nicht nötig!

Sarah macht den Selbstversuch

Bekleidet mit einer hässlichen, grauen, fusseligen 20-Euro-Jogginghose von H&M hat sich unsere Reporterin Sarah Tschernigow in eine Chanel-Boutique gewagt und dazu ein passendes Designer-Teil verlangt. Die Überraschung ist groß: "Ich werde behandelt wie eine Königin", staunt sie über die freundliche und zuvorkommende Art der Verkäuferin. Anprobiert werden ein 3000 Euro teurer Tweed-Mantel, 500-Euro-Sneaker und eine 1200-Euro-Tasche. Dazu gibt es natürlich auch ein Glas Champagner und schöne Komplimente für den coolen Look von anderen Kundinnen. Es ist also kein Fashion-Mythos: Jogginghosen gehen heute auch bei Chanel.