In Amerika sind Presse und soziale Medien in den vergangenen Tagen steil gegangen wegen einer App namens rumblr - einer Art Tinder für Fight-Club-Fans. Statt potenziellen Sexualpartnern kann sich der moderne Mann dort Gegner für eine handfeste Klopperei herbeiwischen, um sich mit ihnen zum Straßenkampf zu verabreden. Jetzt kam raus: Es war nur ein Fake.

Rumblr will User zum Kämpfen zusammenbringen. Nach Angaben der Entwickler gibt es die App seit Kurzem in einer Beta-Version. Man(n) kann sich dort ein Profil mit Eckdaten wie Alter, Größe, Gewicht und Kampfsporterfahrung anlegen.

"Man sucht sich per App einen Prügelpartner aus und versendet eine Kampfanfrage."
Martina Schulte, DRadio Wissen Netzreporterin

Wie im Film Fight Club verabredet sich rumblr-Nutzer, um sich auf die Nase hauen zu lassen. Zu dem Kampf können die Nachwuchs-Tyler-Durdens auch andere User zum Zuschauen einladen - genau wie im Film.

"Nach Angaben der Entwickler haben sich bereits rund 78.000 Menschen für die 2000 Beta-Testversionen beworben."
Martina Schulte

Total krank, waren sich viele Medien einig: Von Wired über das New York Magazine und CBS - alle waren wegen rumblr in Aufruhr. Die Onlineseite Venture beat schrieb, rumblr sei eine gute Werbung für Notaufnahmen, Anti-Aggressionstrainer und Hersteller von Erste-Hilfe-Sets. Und die New York Daily News führten ein Interview mit den Entwicklern und berichteten, das Unternehmen habe seine Zentrale in einem Coworking Space in SoHo und "substantial funding" von amerikanischen Privatinvestoren erhalten.

"Es klang genau wie der neueste kranke Scheiß aus dem Hirn eines Tech-Bros. "
Martina Schulte

Dass alle so heiß auf die Story waren - für das Blog digiday ist das nicht weiter verwunderlich. Bei Rumblr kämen alle Zutaten für eine erfolgreiche Start-up-Geschichte zusammen:

  • ein neues Tinder für Weiss-der-Geier-Irgendwas-Beknacktes stößt im derzeitigen App-Phoria-Umfeld natürlich auf Interesse
  • rumblr ist ein perfekter Name für ein Start-up
  • rumblr hat eine coole Webseite

Es gab nur einen Haken bei der ganzen Nummer…

"Die ganze Sache war ein Hoax - eine Fake-App, die sich ein paar Typen ausgedacht hatten, um ihr Geschäft zu promoten."
Martina Schulte

Die Technikwelt und die Journalisten wurden also konsequent angelogen. Ziemlich lange sogar. Und ihre Story hat auch keiner groß überprüft. 72 Stunden nach dem ersten Bericht über rumblr und 15 Minuten, bevor die App “live” gehen sollte, lösten die Enwickler den Hoax auf und düpierten die Tech-Medien. Das Blog Mashable berichtet, die App sei ein Versuch gewesen, die Unternehmensberatung der Gruppe zu pushen. Im Interview mit mashable sagen die Gründer, sie seien eine Gruppe von "college dropouts" mit einem Hintergrund in Marketing, Design und Maschinenbau.

"Alles sei zunächst eine 'funny idea' gewesen, in der die Gruppe dann aber eine Möglichkeit sah, die eignen 'Branding skills' unter Beweis zu stellen."
Martina Schulte