Während wir schlafen, passiert ganz viel in unserem Gehirn. Deshalb kommt dem Schlaf eine besondere Bedeutung zu. Was genau in unseren Gehirnwindungen passiert, erklärt uns Schlafforscher Albrecht Vorster.

"Waschen, Schneiden, Legen" – damit erklärt der Wissenschaftler Albrecht Vorster bildhaft, welche Funktionen im Gehirn ablaufen, während wir schlafen. "Waschen" bedeutet, dass sich die Zwischenräume zwischen den Nervenzellen um 60 Prozent vergrößern. Dadurch werde Gewebeflüssigkeit durch diese Räume gepresst, die Proteinreste wegspüle.

Albrecht Vorster
© Kay Blaschke
Der Science-Slammer Albrecht Vorster hat jetzt ein Buch mit dem Titel "Warum wir schlafen" veröffentlicht

"Schneiden" stehe für den Vorgang, dass unsere Nervenzellen während des Schlafs "zurückgestutzt" werden, sagt Albrecht Vorster. Die Neuronen würden dann am nächsten Tag wieder wachsen und neue Verbindungen knüpfen für all die Dinge, die wir tagsüber lernen.

"Die Cleverness kommt eigentlich erst im Schlaf."
Albrecht Vorster, Schlafforscher

"Legen" beschreibt den Vorgang, dass während des Schlafs neue Querverbindungen geknüpft würden. Im Schlaf würden wir Dinge kombinieren, die wir am Tag gelernt hätten. Schließlich würden wir im Schlaf dann daraus die Quintessenz ziehen.

Bis auf die Muskeln ist alles aktiv im Schlaf

Aber nicht nur das Gehirn, auch unsere Immunsystem sei aktiv, erklärt Albrecht Vorster. Immunzellen und Lymphknoten würden die Angriffe des Tages nachbereiten und daraus "einen Schlachtplan für den nächsten Tag machen". Genauso die Verdauung, die im Schlaf noch auf Hochtouren laufe, sagt der Wissenschaftler. "Von Ausruhen kann nicht die Rede sein, die einzigen, die sich ausruhen dürfen, sind die Muskeln", erklärt Albrecht Vorster.

"Wenn wir die Nacht stören, stören wir unseren Körper, wenn er gerade besonders aktiv ist."
Albrecht Vorster, Schlafforscher

Der Schlafforscher hat an der Universität Freiburg sowie an der Université de La Runion Biologie und Philosophie studiert. Momentan promoviert er über Gedächtnisbildung im Schlaf der Meeresschnecke Aplysia an der Uni Tübingen. Als Science Slammer fasst er den aktuellen Stand der Forschung unterhaltsam zusammen und hat dafür schon mehrere Preise erhalten.

"Warum wir schlafen" von Albrecht Vorster erschienen im Heyne-Verlag im Mai 2019, 416 Seiten.