"Ich fühle mich total erschlagen" oder "ich bin so müde, als hätte ich die ganze Nacht nicht geschlafen" – so äußern sich viele Menschen. Nach Umfragen der Krankenkassen in Deutschland klagen 80 Prozent über Schlafstörungen. Der Kardiologe Christoph Schöbel erforscht und behandelt Schlafstörungen. Denn von einem guten Schlaf hängt auch die Gesundheit ab.

Christoph Schöbel ist Kardiologe und hat seit 2019 bundesweit die erste Professur für Schlaf- und Telemedizin am Universitätsklinikum Essen inne. Unter Telemedizin versteht der Kardiologe digitale Methoden, mit denen Schlafstörungen noch besser diagnostiziert werden können. Dass es seine Professur gibt, scheint absolut notwendig: "Wenn man sich die aktuellen Umfragen der großen Krankenkassen der letzten Jahren anguckt, sprechen bis zu 80 Prozent der Befragten von Schlafstörungen", sagt Christoph Schöbel.

"Früher war das ja immer so ein bisschen mystisch aufgeladen. Schlaf galt als der kleine Bruder des Todes."
Christoph Schöbel, Schlaf- und Telemediziner

Schlafmedizin ist eine der jüngsten Wissenschaften, sagt Christoph Schöbel. Sie hat mit der Vorstellung aufgeräumt, dass wir im Schlaf nur wie tot herumliegen. Stattdessen ist der Körper im Schlaf sehr aktiv. Die verschiedenen Schlafphasen, die wir in der Nacht durchlaufen, sind für alle Lebensbereiche notwendig, sagt der Schlafmediziner.

"Man muss ganz klar sagen: Chronischer Schlafmangel geht auf das Immunsystem! Daher kommen auch die ganzen Sprichwörter von früher wie 'Schlaf dich gesund!'"
Christoph Schöbel, Schlaf- und Telemediziner

Optimaler Wach-Schlaf-Rhythmus individuell verschieden

Wie viel ein Mensch schlafen muss, um erholt und gesund zu sein, richtet sich nach seiner inneren Uhr. In einem Experiment haben Forschende festgestellt, dass sich Menschen auf einen Schlaf-Wach-Rhythmus einpendeln, der etwas länger ist als 24 Stunden. Der Rhythmus ist genetisch festgelegt, daraus ergeben sich sogenannte Chronotypen. Dieser Rhythmus kann sich im Verlauf des Lebens auch verändern, erklärt Christoph Schöbel.

"Spätestens im Erwachsenenalter wissen wir, ob wir der frühe Vogel sind oder zu den Eulen gehören, die länger wach sind und dafür auch morgens länger schlafen."
Christoph Schöbel, Schlaf- und Telemediziner

Für einen gesunden Wach-Schlaf-Rhythmus sei es enorm wichtig, dass wir uns ausreichend im Freien bewegen und natürliches Licht auf die Netzhaut unserer Augen trifft. Das ist der Auslöser für die Serotonin-Ausschüttung, die unsere Laune beeinflusst, und die Melatonin-Ausschüttung, die uns schläfrig macht. Beide Stoffe sind sehr wichtig, denn ohne richtig wach gewesen zu sein, könne man auch nicht richtig gut schlafen, sagt der Schlafmediziner.

"Alles, was uns irgendwie beeinträchtigt, sei es körperlich oder geistig, macht sich durch Schlafstörungen bemerkbar."
Christoph Schöbel, Schlaf- und Telemediziner

Im Gespräch spricht Christoph Schöbel mit Sebastian Sonntag darüber, ob man jemals richtig ausgeschlafen sein kann, warum sich unser Schlaf-Wach-Rhythmus während der Pandemie verändert hat, wie Schlafstörungen untersucht und behandelt werden können und warum Träumen wichtig ist. Klickt oben auf den Playbutton, um das ganze Gespräch zu hören.