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Ja, wenn Schlafende stündlich geweckt werden, ist das Folter. Schlafforscherin Christine Blume über die Folgen, die Unterbrechungen des Schlafes auf uns haben.

Einen Menschen stündlich zu wecke, hört sich quälend an. Und das ist es auch: eine Foltermethode, die momentan bei dem bekanntesten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny angewendet wird. Er befindet sich, wie viele andere Oppositionspolitikerinnen und Politiker in Russland in Haft.

90 Minuten für einen Schlafzkylus

Ja, auch sie bezeichnet das als Folter, bestätigt Schlafforscherin Christine Blume. Sie arbeitet für das Zentrum für Chronobiologie in Basel. Es gehört zu den Universitären Psychiatrischen Kliniken der Stadt.

Christine Blume weiß, vier bis fünf Schlafphasen durchläuft ein Mensch in der Regel während eines ungestörten Nachtschlafs. Dazu gehören jeweils Leicht-, Tief-, und REM-Schlafphasen. Jeder dieser Zyklen dauert anderthalb bis zwei Stunden.

"Jeder dieser sogenannten Schlafzyklen dauert ungefähr 90 bis 120 Minuten. 90 Minuten, das ist so ein Durchschnittswert."

Die letzte Schlafphase wird oft durch den Wecker beendet, sagt Christine Blume. Sie dauert oft weniger als 90 Minuten. Bei Alexej Nawalny endet jeder Schlafzyklus sehr vorzeitig nach nur 60 Minuten durch die Kontrolle eines Wächters. Durch die Unterbrechung des Schlafes durch Wecken verändern sich die Anteile der verschieden Schlafphasen – mit negativen Folgen. Christine Blume sagt: "Insbesondere der Tiefschlaf ist wichtig für die körperliche Regeneration."

Auswirkungen auf Gehirn und Immunsystem

Ein Gefühl körperlichen und mentalen Ausgelaugtseins stelle sich ein. Das Immunsystem wird belastet. Fragmentierter Schlaf sei einer der Hauptfaktoren, die zum Gefühl beitragen, schlecht geschlafen zu schlafen.

Die Schlafforscherin beschreibt die Folgen für das Gehirn so: "Bestimmte Stoffwechselprodukte, die sich tagsüber im Gehirn ansammeln, werden dann weniger effektiv ausgeschwärmt und lagern sich dort ab." Das wirkt sich wiederum nachtteilig auf die Konzentrationsfähigkeit und auf das Immunsystem aus.

"Wir werden unkonzentriert, fahrig, machen Fehler. Und weil das Immunsystem leidet, werden wir auch anfälliger für Erkrankungen."