Für Autor und Satiriker Schlecky Silberstein kann Männlichkeit vor allem eins sein: gefährlich. Zum Beispiel, wenn kulturelle und soziale Prägung von einem erwarten, immer souverän und unverletzlich zu erscheinen. Das ist ihm vor allem während eines Klinikaufenthalts bewusst geworden.

Christian Brandes – so heißt Schlecky Silberstein eigentlich. Aber die meisten kennen ihn wahrscheinlich unter seinem Alias-Namen, unter dem er seit vielen Jahren bloggt und als Autor für verschiedene Comedy-und Satireformate tätig ist. Bei der funk-Satire-Sendung "Browser Ballett" ist er außerdem als Schauspieler mit dabei.

Der Penis-Fluch

Die Themen Männlichkeit, männliche Rollenbilder oder Geschlechterrollen im Allgemeinen thematisiert Schlecky Silberstein in den Serienfolgen regelmäßig. Er schreibt aber auch gerade an einem Buch zu genau diesem Thema. Sein Arbeitstitel lautet: "Der Penis-Fluch".

Fluch wohl auch deshalb, weil Schlecky seine männliche Sozialisation und die Erwartungshaltung ans männliche Rollenbild in vielerlei Hinsicht gefährlich findet. Etwa dann, wenn Männer sich aus Angst um ihre Männlichkeit nicht helfen lassen oder deutlich später zum Arzt gehen als Frauen.

"Du musst jetzt souverän sein und du darfst dir auch nicht helfen lassen, wie sieht das denn aus?"
Schlecky Silberstein über selbst wahrgenommene soziale und gesellschaftliche Erwartungen an Männer

Auch während eines Klinikaufenthalts wegen Depressionen ist es Schlecky, der in seiner Kindheit und Jugend nach eigenen Angaben "komplett vollgetankt" wurde mit Männlichkeit, anfangs schwergefallen, über seine Krankheit und Gefühle zu sprechen. "Es hat total lange gebraucht, bis wir Typen damit warm geworden sind, dass wir über unsere Gefühle reden – und zum Schluss waren es die besten Gespräche", sagt Schlecky.

In der Klinik hat sich sein Bild von Männlichkeit und dem Umgang damit stark verändert. "Ich fand’s einfach so verblüffend, dass alles, was ich mit meiner Männlichkeit hätte beisteuern können, überflüssig war", sagt er im Deep Talk.

"Wer sich früher helfen lässt, ist länger hart."
Schlecky Silberstein

Kindern kein klassisches Männerbild vorleben

Aber auch die Tatsache, dass er selbst Vater ist und seinen Kindern kein klassisches Männerbild vermitteln will, hat ihn für das Thema sensibilisiert. Trotzdem fällt er in der Erziehung auch zurück in alte Muster, die er jahrzehntelang gelebt hat.

"Es passiert mir trotzdem immer wieder, dass ich den starken Bären spiele."
Schlecky Silberstein

Welches Buch zum Thema jede*r gelesen haben sollte, warum Schlecky Silberstein manchmal gern eine Frau wäre und welches sein schlimmster und schmerzhaftester Spleen ist, erzählt er im Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Rahel Klein.