Töpfern war gestern. Ein leicht formbares Material gibt es in fast jedem Kühlschrank: Butter. Unsere Reporterin hat sich an die Arbeit gemacht – eine schmierige Sache.

Es wird wieder kälter – und die Zeit des Butterschnitzens beginnt. In einer ungeheizten Wohnung ist es vielleicht schon frostig genug, um am Küchentisch diesem traditionsreichen Hobby nachgehen zu können. Unsere Reporterin Anna Kohn hat versucht, aus einem ganz gewöhnlichen halben Pfund Butter eine kleine Kuh zu schnitzen – ohne Erfahrung in diesem speziellen Kunstgewerbe. Sie orientiert sich dabei einem amerikanischen Vorbild.

Im US-Bundesstaat Iowa wird ihr Hobby auf einem anderen Niveau betrieben. Auf der jährlichen Iowa State Fair, einer Kirmes mit bis zu einer Millionen Besuchern, gehört das Butterschnitzen seit mehr als hundert Jahren dazu. Dort heißt es "butter sculpting". Geformt werden die Skulpturen in einem riesigen, durchsichtigen Kühlschrank, bei zwei bis fünf Grad Celsius.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

300 Kilo Butter für eine Kuh

Jedes Jahr wird für das Fest in Iowa eine große Kuh aus etwa 600 Pfund Butter gestaltet. Eine grandiose Attraktion, aber auch eine große Lebensmittelverschwendung. Wenigstens wird die Butter einige Male wiederverwendet.

Die Butterkuh der State Fair in Iowa wird von einem Metall- und Holzgerüst getragen. Anna hat sich für ihr Miniexemplar als Werkzeuge Messer und einen Schaschlikspieß bereitgelegt. Außerdem hat sie für ihre Hände eine Schüssel mit Eiswasser parat, um sie kühl zu halten.

Butter pausiert im Kühlschrank

Zuerst trennt Anna ein Stück von der Butter ab, formt es zu einer dicken Kugel. Das soll der Körper ihrer Kuh werden. Anna muss feststellen, dass die Butter rasch zu weich, zu formbar wird und an ihren Händen klebt. Also gönnt sie der Butter eine kurze Pause im Kühlschrank.

In der Zwischenzeit ruft sie den Foodblogger David Seitz an. Er liebt Butter so sehr, dass er ihr sogar mal einen Liebesbrief geschrieben hat. Ein ganz einfaches Lebensmittel sei die Butter aber nicht - wegen ihrer sich verändernden Festigkeit, meint er.

"Man kann sie eben auch leicht erhitzen und braun werden lassen, dann wird sie zu Nussbutter – und das ist eigentlich die Königsklasse."
David Seitz, Foodbloger, fleischglueck.de

Der Foodblogger schwärmt vor allem von der "Nussbutter": Wer die Butter mäßig erhitzt und den Milchzucker karamelisieren lässt, erhält so eine nussig schmeckende Butter, die sehr gut zu Fisch oder Fleisch passt.

Butterbrot im Restaurant

Eine Skulptur aus Butter hat David Seitz noch nie geformt. Er glaubt aber, dass die Butter insgesamt gerade ein Comeback erlebt. In manchen Restaurants komme sogar das Butterbrot wieder auf die Speisekarte.

Anna schafft es nach dem Telefonat immerhin, vier Beine und einen kleinen Kopf zu formen, bevor die Butter wieder schmilzt und klebt. Die Augen drückt Anna ihrer Kuh schnell mit dem Schaschlickspieß ein und streicht den Kuhrücken glatt. Mit ihrem Butter-Tier (oben im Bild) ist sie zwar nicht besonders zufrieden. Zum Kochen war die Butter ihr aber immer noch gut genug.

Mit Butter-Skulptur zur Weltausstellung

Übrigens: In Tibet schnitzen Mönche schon seit Jahrhunderten in Butter. Die erste Butterkünstlerin der westlichen Welt war Caroline Shawk Brooks. Sie wollte zur besseren Vermarktung die Butter ihrer Farm appetitlicher aussehen lassen und fing an Muscheln, Tiere und Gesichter zu schnitzen. Einige Jahre später formte sie sogar richtige Butter-Porträts. Eine ihrer Skulpturen schaffte es 1876 zur Weltausstellung.