Die App Onavo ist beliebt - und sie gehört zum Facebook-Imperium. Sie soll mobiles Surfen sicherer machen. Was viele nicht wissen: Die App sammelt auch fleißig Daten. 

Wer sich ein bisschen im Netz auskennt, kann richtig Geld verdienen.  Mit Bitcoin oder mit den Aktien von Google oder Facebook – zumindest wenn ihr sehr früh zugeschlagen habt. Aber ihr könnt natürlich auch Kohle in den Sand setzen. So wie unser Netzreporter Michael Gessat. Als der Kurs von Snap nach den Quartalszahlen im Mai abgeschmiert war, hat er gekauft. Vor ein paar Tagen gab es neue Zahlen – und der Kurs ist noch weiter abgeschmiert. Dabei hätte Michael nur Mark Zuckerberg fragen brauchen, der wusste nämlich über die Probleme von Snap frühzeitig Bescheid. 

"Facebook braucht keinen Spion bei Snap. Sie haben nämlich eine sehr gut informierte App. Und die sitzt nicht bei Snap, sondern bei uns Usern auf dem Smartphone."
Netzreporter Michael Gessat

Der Facebook-Gründer hat zwar keine Kristallkugel, aber dafür eine sehr gut informierte App. Der Spion - oder eher der Marktforscher - sitzt in diesem Fall nicht bei Snap, sondern bei uns Usern auf den Smartphones. Die Story hat das Wall Street Journal aufgedeckt – und die Rede ist nicht von der Facebook-App, sondern von einer App namens Onavo.

Onavo stammt von einem israelischen Start-up-Unternehmen und ist 2010 gelauncht worden. User installieren sie, weil sie das mobile Surfen schneller und sicherer machen kann. Zum einen protokolliert die App den Datenverbrauch von Apps auf dem Smartphone. Sie warnt, bevor irgendein Spiel ein Update von zwei Gigabyte zieht und damit das eigene Datenkontingent verballert oder euch im Ausland mit einem Roamingtarif in den Ruin treibt. 

Onavo hat auch eine Komprimierungsfunktion, die das Datenvolumen reduziert. Und die App bietet eine VPN-Funktion, mit der ihr auch in einem offenen WLAN oder wenn staatliche Stellen mitlauschen, sicher surfen könnt. Soweit die Funktionen für die User – für Web-Anbieter hat Onavo aber auch etwas sehr Nützliches an Bord: nämlich genau die Daten, die bei den Usern gesammelt worden sind. Welche Apps auf dem Gerät installiert sind, wie oft und wie lange sie genutzt werden und ins Netz gehen und wie viele Daten dabei fließen.

Onavo weiß also auch, ob ein User Snapchat installiert hat und das auch eifrig nutzt. Aparterweise hatte Facebook Onavo 2013 gekauft. Das Wall Street Journal berichtet jetzt unter Berufung auf gut informierte Insider, die Onavo-Daten hätten bei Facebook schon die eine oder andere Unternehmensentscheidung mit beeinflusst - etwa den Kauf von WhatsApp. Facebook habe quasi durch Onavo den Beleg gehabt, dass WhatsApp in einigen Ländern auf 99 Prozent der Geräte installiert war, oder hätte durch die Daten die Beliebtheit von Live-Video-Streaming bei Konkurrenz-Apps wie Meerkat und Periscope nachvollziehen können. Und bei Snap konnte Facebook mit den Onavo-Daten eben sehen, dass Snapchat seltener genutzt wurde, nachdem bei Instagram die Stories-Funktion eingeführt wurde

Onavo beeinflusst Facebook-Entscheidungen

Die App ist recht beliebt und auf einer großen Anzahl von Geräten installiert. Trotzdem sind die Onavo-Daten natürlich nur eine Annäherung an die absoluten Nutzergewohnheiten, aber ganz offensichtlich für Facebook doch eine recht brauchbare Marktforschungs-Stichprobe. 

Facebook weist darauf hin, dass die Onavo-User der  Sammelwut und Weitergabe ausdrücklich zustimmen müssen. Im Übrigen seien Mobile-Analytics-Apps sehr verbreitet. Die Einwilligung ist aber wohl eher unauffällig untergebracht und die Nutzer dürften sich über die Konsequenzen nicht im Klaren sein.