Zubeißen, sprechen, lachen – Zähne sind für uns Menschen elementar, erklärt Ariane Hohoff, Direktorin der Uniklinik für Kieferorthopädie in Münster. Hami Nguyen betont, dass Zähne auch Statussymbol sind. Sie litt lange unter ihrer Kieferfehlstellung.

Feste Zahnspangen – wahrscheinlich finden die wenigsten, die sie tragen müssen, diese schön, geschweige denn angenehm. Hami hätte trotzdem gern zu den Kindern gehört, die sie tragen müssen. Denn sie hatte eine angeborene Kieferfehlstellung, durch die sie nicht gut kauen und schlucken und ihren Mund nicht ganz schließen konnte.

Zähne sind essenziell für unsere Gesundheit

Doch finanziell war es für ihre Familie nicht möglich, eine Zahnspange zu bezahlen, erzählt Hami. Die Zahnspange wäre aus medizinischer Sicht nötig gewesen, die Krankenkasse hätte die vollen Kosten trotzdem nicht übernommen.

"Gesundheit muss man sich leisten können. Und das konnte ich in der Jugendzeit nicht."
Hami Nguyen, ihre Familie konnte sich keine teure Zahnspange für sie leisten

Schließlich, im Alter von 29 Jahren, entschloss sich Hami selbst zum Kieferorthopäden zu gehen und sich eine feste Zahnspange einsetzen zu lassen, für die sie vorher extra Geld zurückgelegt hatte. Doch die Zahnspange war nur ein Teil ihrer Behandlung. Denn Hamis Kieferfehlstellung war so ausgeprägt, dass sie operiert werden musste.

Eine OP, um den Kiefer zu richten

Auch wenn die kieferorthopädische Behandlung in erster Hinsicht medizinisch notwendig war, erzählt Hami, freute sie sich auch über ihr neues Aussehen, das mit dem Eingriff einherging. Rein aus ästhetischen Gründen hätte sie die OP aber nicht gemacht, betont sie, dafür waren die Kosten, Schmerzen und Risiken, die mit der OP einhergingen, zu groß.

"Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir mein Aussehen vorher total gefallen hat."
Hami Nguyen litt lange unter ihrer Kieferfehlstellung

Zähne sind aus medizinischer und gesundheitlicher Sicht für uns Menschen essenziell, betont Ariane Hohoff, Direktorin der Uniklinik für Kieferorthopädie in Münster und Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Nichtsdestotrotz sind und waren Zähne gesellschaftlich ein Statussymbol.

Fachzahnärztin rät von Quickfix bei Zahnbegradigungen ab

Das Ideal von strahlend weißen und geraden Zähnen ist weit verbreitet. Und das Angebot, sich die Zähne bleachen oder begradigen zu lassen, ist groß – zum Beispiel mithilfe sogenannter Aligner, also durchsichtigen Zahnspangen, die Zahnfehlstellungen vermeintlich schnell, kostengünstig und ohne aufwendige Besuche beim Kieferorthopäden oder Zahnarzt korrigieren.

Dass die Aussicht auf einen schnellen Behandlungserfolg reizvoll ist und Menschen gegebenenfalls davor zurückschrecken, sich im Erwachsenenalter eine feste und damit sichtbare Zahnspange zu verpassen, versteht Ariane Hohoff. Aus medizinischer Sicht und aufgrund der aktuellen Forschung rät sie jedoch klar von Alignern ab.

"Forschungsergebnisse zeigen klar, dass Aligner nur bei leichteren Zahnfehlstellungen ausreichend korrigieren können, beispielsweise bei kleinen Lücken."
Ariane Hohoff, Direktorin der Uniklinik für Kieferorthopädie in Münster und Fachzahnärztin für Kieferorthopädie

Feste Spangen können mehr

Feste Zahnspangen haben biomechanisch andere Grundlagen, erklärt die Fachärztin. Das heißt, dass mit ihnen nicht nur bestimmte, sondern alle Arten von Zahnfehlstellungen behandelt werden können. Und das in einem kürzeren Zeitraum als es bei Alignern der Fall ist.

"Meistens soll mit Alignern für eine bessere Optik die Stellung der Frontzähne verändert werden. Das kann sich aber negativ auf die generelle Kaufunktion auswirken."
Ariane Hohoff, Direktorin der Uniklinik für Kieferorthopädie in Münster und Fachzahnärztin für Kieferorthopädie

Wird bei der Begradigung der Zähne einzig auf die Ästhetik geachtet, kann das gesundheitliche Folge haben, warnt Ariane Hohoff. Schon das Einwirken auf einzelne Zähne könne das Kauen oder Schlucken beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall könne dann doch eine Behandlung beim Kieferorthopäden nötig werden, was wiederum Zeit und Geld kostet. Von den Schmerzen und der gesundheitlichen Beeinträchtigung ganz zu schweigen.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Hami Nguyen konnte wegen einer Zahn- und Kieferfehlstellung lange Zeit nicht in einen Apfel beißen
  • Ariane Hohoff, Direktorin der Uniklinik für Kieferorthopädie in Münster, erklärt den Unterschied zwischen kieferorthopädischen Behandlungen und Alignern
  • Ab 21
  • Moderator: Dominik Schottner
  • Gesprächspartnerin: Hami Nguyen, litt bis ins Erwachsenenalter unter ihrer Kieferfehlstellung
  • Gesprächspartnerin: Ariane Hohoff, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Münster