Schon jetzt stehen Schoko-Weihnachtsmänner im Supermarkt – gefühlt viel zu früh, also alles wie immer? Nicht ganz: Viel mehr als sonst bestehen aus fair gehandelter Schokolade. Ein neues Siegel macht's möglich. Aber den Klein-Bauern sichert das nicht unbedingt die Existenz.

Viele werden es kennen: Das grün-blaue Fairtrade-Siegel auf schwarzem Grund. Dieses Siegel garantiert, dass alle Zutaten eines Produktes fair gehandelt worden sind. Dafür gelten strenge Auflagen. Wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum der Marktanteil von fair gehandelter Schokolade in Deutschland bis vor einigen Jahren gerade einmal bei einem Prozent lag.

Neues Siegel für mehr Fairtrade

Allerdings lässt sich eine Trendwende beobachten. Im Jahr 2019 galten schon 17 Prozent der Schokolade im Supermarkt als fair. Woher kommt auf einmal die ganz faire Schokolade? Hannah Radke, von Fairtrade Deutschland erklärt, es liege an einem neuen Fairtrade-Siegel, das es den Unternehmen leichter mache, fair gehandelte Schokolade anzubieten, weil sie ihre Lieferketten nicht mehr komplett ändern müssten.

"Um das neue Fairtrade-Siegel zu bekommen, müssen Unternehmen nicht mehr die gesamte Lieferkette umstellen. Es reicht, wenn eine Zutat des Produkts fair gehandelt ist."
Hannah Radke, Fairtrade Deutschland

Das neu eingeführte Siegel sieht im Grunde ähnlich aus, nur hat es einen weißen Hintergrund. Dieses Siegel macht die Arbeit für Unternehmen mit Fairtrade wesentlich einfacher, sagt Hannah Radke von Fairtrade Deutschland.

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Dieses Siegel garantiert, dass eine Zutat eines Produkts fair gehandelt wurde

Bei beiden Siegeln gelten zwar die gleichen strengen Regeln, aber für das neu eingeführte Siegel muss nicht mehr das gesamte Produkt fair gehandelt sein. Es reicht, wenn das für einen Rohstoff gilt, so Hannah Radke. Bei Schoko-Weihnachtsmännern dann eben zum Beispiel der Kakao. Um welche Zutat es sich im Einzelfall handelt, steht neben dem Siegel, sagt sie.

"Für jedes Produkt mit einem Fairtrade-Siegel ist garantiert, dass die Produzentinnen und Produzenten einen Fairtrade-Mindestpreis erhalten und darüber hinaus eine Prämie. Kinderarbeit und der Einsatz von Pestiziden ist ebenso ausgeschlossen."
Hannah Radke, Fairtrade Deutschland

Hannah Radke betont, dass alle Produkte, die ein Fairtrade-Siegel tragen – egal welches – die Fairtrade-Standards erfüllen. Egal um welches der Fairtrade-Siegel es sich auf einem Produkt handelt: Es garantiert in jedem Fall, dass Produzenten einen Fairtrade-Mindestpreis und Prämien erhalten. Außerdem ist Kinderarbeit und der Einsatz von Pestiziden ausgeschlossen, erklärt Hannah Radke.

Mindestpreis wirkt wie Sicherheitsnetz

Bei dem Fairtrade-Siegel sei gesichert, dass Klein-Bauern einen Mindestpreis erhalten, der die Kosten einer nachhaltigen Produktion deckt. Dieser Mindestpreis liege aktuell bei 2.400 US-Dollar pro Tonne Kakao, rechnet Hannah Radke vor. Außerdem seien die Klein-Bauern in Kooperativen organisiert, die Prämien für Gemeinschaftsprojekte aushandeln.

Das allein gewährleistet aber nicht immer schon ein existenzsicherndes Einkommen, sagt Hannah Radke. Denn: Der Weltpreis von Kakao unterliegt starken Schwankungen. Ist er höher, steigt auch der Mindestpreis, wird er niedriger, greift der Mindestpreis wie ein Sicherheitsnetz, sagt Hannah Radke.

"In der Realität ist es leider so, dass die Klein-Bauern einfach zu wenig ihres Kakaos zu Fairtrade-Preisen verkaufen können. Oft nur 40 Prozent ihrer Ernte."
Hannah Radke, Fairtrade Deutschland

Das Problem: Selbst durch den Mindestpreis ist für die Klein-Bauern oft noch kein existenzsicherndes Einkommen gewährleistet.

Denn in der Realität können sie häufig durchschnittlich nur 40-50 Prozent ihrer Ernte zu fairen Bedingungen verkaufen, sagt Hannah Radke. Hinzu kommt, dass viele Produzenten zu wenig Land besitzen, um so viel anzubauen, dass sie davon leben können.

Das muss sich ändern, meint Hannah Radke. Die Preise für Kakao müssen steigern und für die Klein-Bauern weitere Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden.