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Viel ist angesichts des Lockdowns die Rede von verzweifelten Eltern, Homeofficeproblemen und Ähnlichem. Aber was ist mit den älteren Schülerinnen und Schülern? Die sind oft auf sich allein gestellt. Annika Steinbauer vom Stadtschüler:innenrat Darmstadt fordert mehr Unterstützung. Nicht nur für Schülerinnen und Schüler, auch für die Lehrkräfte.

Gleich vorweg: Annika Steinbauer findet es richtig, dass es in der jetzigen Situation keinen Präsenzunterricht gibt. Ihre Kritik gilt nicht den Maßnahmen, sondern wie sie teilweise umgesetzt werden.

"Es ist eine schwierige Situation für Schülerinnen und Schüler, weil wir ziemlich alleine gelassen werden mit der Situation."
Annika Steinbauer, Stadtschüler:innenrat Darmstadt

Es geht los mit der Ausstattung: "Wir müssen uns das ganze Material selbst anschaffen und mehr oder weniger auch selbständig lernen", beschreibt die 16-Jährige die Situation der Schülerinnen und Schüler in ihrem Umfeld. Die nötigen Programme und technischen Geräte würden einfach vorausgesetzt. Annika findet das nicht richtig.

"Die Unterstützungen, die vom Land Hessen oder allgemein von den Kultusministerien angesetzt wurden, dass zum Beispiel iPads ausgegeben werden, damit man die technische Ausstattung hat, das wurde hier einfach noch gar nicht angegangen."
Annika Steinbauer, Stadtschüler:innenrat Darmstadt

Die Tablets, die ihnen vor rund einem Jahr versprochen worden seien, wären noch immer nicht da. Wenn sie vor Weihnachten nicht noch ein Gerät von ihren Eltern bekommen hätte, dann wäre sie bis jetzt komplett überfordert, sagt Annika: "Ich wünsche mir einfach, dass das besser umgesetzt wird, dass die Geräte wirklich angeschafft werden, die jetzt noch benötigt werden." Denn nicht jeder und jede hat das Glück wie Annika, Eltern zu haben, die unterstützen können.

Es fehlt an Ausstattung und Anleitung

Aber Ausstattung ist nicht alles. Es mangelt auch an Anleitung, berichtet die Schülervertreterin. Sportunterricht sehe bei ihr zum Beispiel so aus: Es gab Selbstbeschäftigungsmaterial und eine Fitness-Challenge. Die sollen die Schüler und Schülerinnen aufnehmen und den Lehrern schicken. Danach würden die Klassen dann verglichen und Noten gemacht.

"Das finde ich auch ziemlich kritisch. Weil wir uns mehr oder weniger nur selbst beschäftigen sollen, damit überhaupt etwas an Bewegung stattfindet."
Annika Steinbauer, Stadtschüler:innenrat Darmstadt

Ähnlich im Kunstunterricht: In den Parallelklassen gebe es einfach Aufträge nach Hause, die dann erledigt und eingeschickt werden müssen. Und Experimente in Bio oder Chemie fallen zum Beispiel ganz flach.

Zuhause oft kein gutes Lernumfeld

Zuhause für die Schule zu arbeiten, ist oft auch schwer, sagt Annika. Spiele auf dem Laptop lenken zum Beispiel ab, Geschwister genauso. Das könne man einfach nicht mit einem normalen Schulalltag vergleichen, wo man in die Schule geht und konzentriert arbeiten kann. Und darunter leide auch die Motivation. Auch bei ihr selbst sei die oft im Keller.

"Wir haben einfach gar nicht mehr die Motivation, überhaupt morgens aufzustehen – geschweige denn, den Laptop anzumachen und uns dann an die Schulsachen zu setzen."
Annika Steinbauer, Stadtschüler:innenrat Darmstadt

Auch auf die Leistungen wirkt sich das aus, bestätigt Annika. Sie habe das Glück, nie eine unterdurchschnittliche Schülerin gewesen zu sein, aber auch sie habe in der Schule nachgelassen. Andere haben noch größere Probleme und es gebe definitiv Zukunftsängste unter den Schülerinnen und Schülern. Manche sorgen sich, dass sie es nicht schaffen, sagt sie, und geben auf – auch solche, die das noch vor einem Jahr nie gesagt hätten.

"Meine Noten sind in den letzten Monaten total in den Keller gegangen."
Annika Steinbauer, Stadtschüler:innenrat Darmstadt

Annika Steinbauer fordert mehr Unterstützung. Und zwar nicht nur für die Schüler und Schülerinnen, sondern auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die auch alleine gelassen würden: "Ich kann mir vorstellen, dass die es auch nicht einfacher haben als wir Schüler."