Millionen Menschen verhungerten im Winter 1932 in der Ukraine. Eine humanitäre Katastrophe, die auch durch Stalins Zwangskollektivierungen und Abgabeforderungen mitverursacht wurde. Heute spricht die Ukraine von Völkermord.

Der Winter 1932/1933 wird in der Geschichte der Ukraine immer eine herausragende Bedeutung einnehmen. Zuvor hatte eine lange Trockenphase in der Kornkammer der Sowjetunion zu Missernten geführt. Gleichzeitig waren durch die harte Politik der Zwangskollektivierungen der Moskauer Parteizentrale Millionen ukrainischer Bauern enteignet worden. Stalin hatte zudem die Abgabenquote der ukrainischen Landwirtschaft erhöht: Fast jedes zweite geerntete Kilo musste nach Moskau abgegeben werden. 

Mindestens drei Millionen Tote

Die Folge dieser Maßnahme waren Millionen Tote in der Ukraine, den Überlebenden wurde zudem die Ausreise verweigert, die Grenzen der Ukraine geschlossen. Historiker schätzen, dass zwischen 3,5 und 14,5 Millionen Menschen verhungerten. Diese "Tötung durch Hunger" ("Holodomor") hat nahezu alle ukrainischen Familien betroffen. 

Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 begann die Aufarbeitung der Ereignisse, die bis dahin regelrecht verschwiegen worden waren. Unter Präsident Viktor Juschtschenko hat sich die ukrainische Regierung darum bemüht, den Holodomor als "Völkermord" anerkennen zu lassen. Zahlreiche Staaten haben das getan, Russland argumentiert hingegen, dass im Winter 1932 nicht nur Menschen in der Ukraine ums Leben kamen.

Außerdem hört ihr in Eine Stunde History:

  • Anna Kaminsky von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur über die Ursachen und das Ausmaß des Hungerwinters 1932 in der Ukraine 
  • Rudolf Mark von der Helmut Schmidt Universität schildert die Rolle der Ukraine innerhalb der "Union der sozialistischen Sowjetrepubliken" (UdSSR)
  • Wilfried Jilge ist Ukraine-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und schildert, wie sehr der "Holodomor" das ukrainische Selbstverständnis bis heute prägt.
  • Deutschlandfunk Nova - Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die gemeinsame Geschichte von Russen und Ukrainern seit dem 9. Jahrhundert