Die Deutschen kaufen wieder häufiger auf Raten. Vor allem bei Einkäufen, die unter 1000 Euro liegen. Besonders beim Online-Shopping ist das Kaufen auf Pump einfach.

Die Kreditauskunft Schufa schaut sich regelmäßig an, wer sich welche Summen leiht. In ihrer Studie heißt es:

  • Es gibt mehr Kreditverträge als bisher. 2021 waren es bundesweit fast sieben Millionen.
  • Andererseits: Die Summen, die sich die Leute geliehen haben, sind deutlich kleiner als bisher.

Bei fast jedem dritten Kredit ging es um eine Summe von unter 1000 Euro. Vor allem in den jüngeren Altersgruppen geht es häufig um geringere Kreditsummen.

Bei den 18- und 19-Jährigen lag der durchschnittliche Kreditbetrag bei knapp 350 Euro. Die Schufa sieht den Grund für die verhältnismäßig kleinen Summen im Onlineshopping und dem Modell "Buy now, pay later".

"Buy now, pay later" ist nicht neu

Dieses Modell ist nicht neu. Es entspricht dem klassischen Kauf auf Rechnung beziehungsweise auf Raten. "Die Online-Händler verkaufen das inzwischen aber ein bisschen anders und werben offensiver damit", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Moritz. Aktuell zahlen Kund*innen beim Onlinekauf noch direkt, aber das ändert sich langsam. Mittlerweile wird jeder fünfte Onlinekauf später bezahlt.

"Inzwischen wird in Deutschland jeder fünfte Onlinekauf später bezahlt."
Sebastian Moritz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wird später bezahlt, ist in der Regel ein Bezahldienstleister dazwischengeschaltet wie zum Beispiel Paypal, Klarna oder Afterpay. Der Service, später bezahlen zu können, muss vergütet werden. Die Anbieter erheben Zinsen in Höhe von bis zu zehn Prozent. Wer sich bei der Bank Geld leiht, zahlt deutlich weniger.

Der Onlinekauf auf Pump ist so verdammt einfach

Dennoch funktioniert das Geschäft mit "Buy now, pay later". Zum einen gibt es mehr Onlinekäufe, das gilt vor allem für die jüngeren Altersgruppen, und die wiederum haben oft nicht ganz so fette Finanzpolster.

Ein weiterer Punkt: Es ist einfach, per Klick einen Kredit abzuschließen, so Annabel Oelmann, Finanzfachfrau bei der Verbraucherzentrale Bremen. Die Verführung sei groß, wenn der Kreditabschluss ohne viel Aufwand möglich ist.

"Diese Bezahlmethoden setzen natürlich genau da an, dass ich nur einen Klick machen muss. Das ist auch die Hauptgefahr."
Annabel Oelmann, Finanzfachfrau bei der Verbraucherzentrale Bremen

Die meisten, die online per Kredit einkaufen, laufen nicht direkt Gefahr, sich zu überschulden. Die Deutschen sind insgesamt sehr zuverlässige Schuldner*innen. Laut der Schufa-Studie werden fast 98 Prozent aller aufgenommenen Ratenkredite vertragsgemäß bedient.

Doch die Gefahr sich zu verschulden besteht, so Annabel Oelmann. Eben auch, wenn es so einfach ist Kredite aufzunehmen. So einfach, dass man vielleicht auch so teure Dinge kauft, die man sich eigentlich nicht leisten kann.

"Wenn ich so ganz leicht und schnell Geld bekomme, neige ich meistens auch dazu, leichter Geld auszugeben. Und im Zweifelsfall auch eine Kategorie höher zu kaufen."
Annabel Oelmann, Finanzfachfrau bei der Verbraucherzentrale Bremen

Wichtig ist auch, genau hinzuschauen, wie die Konditionen des Kredits aussehen. "Oft hilft es, sich einfach mal die Gesamtkosten mit allen Zinsen und Gebühren auszurechnen", sagt Sebastian. "Dann kann es nämlich passieren, dass der Fernseher statt ursprünglich 800 Euro unterm Strich 1000 Euro kostet."

Es kann sein, dass ihr euch bei einer Bank günstiger Geld für eine Anschaffung leihen könnt. Das ist aufwändiger und braucht mehr Zeit als ein Klick beim Onlinekauf, kann sich aber lohnen.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Sebastian Moritz, Deutschlandfunk Nova