Russland soll Zinsen zahlen für Geld, das es sich im Ausland geliehen hat. Wie Russland die Schulden bezahlen soll, ist gerade offen. Denn: Wegen der Wirtschaftssanktionen des Westens kommt das Land an einen Großteil seines Gelds nicht ran.

Der 16. März ist ein entscheidender Stichtag für Russland. Bis dahin muss Moskau die Zinsen für seine Staatsanleihen an ausländische Investoren bezahlen: über 100 Millionen US-Dollar werden fällig.

Normalerweise ist diese Summe für Russland ein Klacks. Aber aktuell ist unklar, ob Russland den Zinszahlungen nachkommen kann. Die russische Zentralbank hat zwar über 600 Milliarden US-Dollar an Devisenreserven, die sind wegen der internationalen Sanktionen gegen Russland aber teilweise eingefroren.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow hat daher angekündigt, Russland werde die Zinsen in Rubel bezahlen. Das wird aber nicht gehen, da die Verträge mit den ausländischen Investoren eine Zahlung in US-Dollar vorsehen. Ihr Interesse an einer Auszahlung in Rubel dürfte auch denkbar gering sein, da die Währung seit dem Angriff auf die Ukraine weiter an Wert verliert.

Wenn Moskau die Zinsen nicht am 16. März bezahlen wird, bliebe noch eine Frist von maximal 30 Tagen, die sogenannte Gnadenfrist. Danach würde es zu einem Zahlungsausfall kommen.

Position Russlands unklar

Wie die russische Regierung den möglichen Zahlungsausfall vermeiden möchte, ist gerade unklar. "Man weiß auch nicht richtig, ob das russische Finanzministerium das überhaupt will oder ob man doch auch die Anleihegläubiger ein bisschen in Bedrängnis bringen will", sagt Victor Gojdka aus dem ARD-Börsenstudio.

Die Ratingagentur Fitch hat das Risiko, dass Russland seinen Zinszahlungen nicht nachkommen könnte, als "unmittelbar bevorstehend" eingestuft. Als Grund verwies die Ratingagentur auch auf das am 8. März 2022 von den USA verhängt Importverbot für Erdöl und Gas aus Russland.

Vieles ist laut Victor Gojdka aktuell noch unklar. Beispielsweise ob Russland über China nicht doch einen Weg findet, irgendwie an US-Dollar zu kommen. Oder ob Investor*innen eine Art Zahlungsschein ausstellen, mit dem Russland sie bemächtigt, sich die Zinsen bei der amerikanischen Zentralbank auszahlen zu lassen.

Damit würde Russland vordergründig den Eindruck erwecken, zahlen zu wollen, nur würde es wegen der dort eingefrorenen Konten eben nicht dazu kommen "und dann ist die Frage, wie die Investoren damit umgehen", so Victor Gojdka. Die Anleihegläubiger könnten die Zinszahlungen beispielsweise einklagen. Ob sie damit Erfolg haben, ist die andere Frage.

"Viele Anleihegläubiger haben auch wegen der Zinsen in russische Staatsanleihen investiert. Das heißt: Ihnen war klar, das kann ein Risiko bergen. Dieses Risiko materialisiert sich jetzt."
Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio Frankfurt

Als ein Druckmittel Russlands steht weiterhin die Versorgung durch fossile Energie wie Öl, Gas, Kohle und anderer Rohstoffe im Raum. Der russische Vize-Präsident Alexander Nowak hat einen Lieferstopp von Erdgas über die Pipeline Nord Stream 1 in den vergangenen Tagen zumindest nicht ausgeschlossen. Von dem russischen Erdgas gehen 55 Prozent nach Deutschland.

Befürchtungen über eine russische Staatspleite

Manche Expert*innen sprechen aktuell von einer möglichen Staatspleite, sollte Russland die Zinsen nicht bezahlen. "Man darf sich das nicht so vorstellen, dass der ganze Staat in sich zusammenbricht", sagt der Wirtschaftsjournalist. Besonders das Geschäft mit Erdöl bringt weiterhin viel Geld in die russische Staatskasse. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind es täglich 500 bis 700 Millionen US-Dollar.

"Ob jetzt der Staatsbankrott kommt, wissen momentan nicht mal Experten, weil überhaupt nicht klar ist, was genau das russische Finanzministerium mit diesem Geld machen wird."
Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio Frankfurt