Der US-Schauspieler Alec Baldwin hat am Set einen Schuss abgefeuert – und dabei eine Kamerafrau tödlich verletzt. Noch ist unklar, was genau passiert ist. Aber: Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass auch am Filmset echte Waffen verwendet werden. Manchmal sogar mit scharfer Munition.

Es ist ein tragischer Unfall: Bei den Dreharbeiten zum Western "Rust" gibt Schauspieler Alec Baldwin einen Schuss ab und tötet dabei eine Kamerafrau. Wie konnte das passieren?

"Vermutlich war es kein Unfall durch eine Schussverletzung, sondern durch eine Explosion der Waffe, weil das Material bereits geschwächt war."
Oliver Rasch, Waffenmeister und Pyrotechniker

Oliver Rasch, Waffenmeister und Berater zum Beispiel für den Tatort Münster, sagt: Noch ist über den Unfall in den USA wenig bekannt, doch vermutlich war es nicht der Schuss der Waffe, der die Kamerafrau getötet hat, sondern eine Explosion. Das ist auch der Grund, warum es zwei Verletzte gibt: Auch der Regisseur wurde getroffen, er aber überlebte den Unfall.

Druck führte vermutlich zur Explosion

Eine Waffe baut einen enormen Druck auf, erklärt der Experte. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie nun mit einer Platzpatrone oder mit echter Munition gefüllt ist. Dieser Druck muss kontrolliert entweichen. Funktioniert etwas nicht richtig, kann der Druck wie eine Explosion wirken, sodass unkontrolliert Einzelteile der Waffe umherfliegen. Dies könnte auch am Filmset mit Alec Baldwin passiert sein.

"Das kann immer passieren, im Grunde auch mit einer ganz einfachen Schreckschusspistole. Verhindern lässt sich das nur mit einer gründlichen Sicherheitskontrolle."
Oliver Rasch, Waffenmeister und Pyrotechniker

Passieren kann das auch mit einer einfachen Schreckschusspistole, deshalb sind Sicherheitsprüfungen vor Ort so wichtig, sagt Waffenmeister Oliver Rasch. Es braucht Menschen, die sich technisch auskennen und prüfen, ob die Läufe frei sind, dass Gasdruckdüsen, die in einigen deutschen Waffen vorkommen, frei sind und auch, dass diese Düsen nur bis zu einem gewissen Maß den Druck reduzieren.

Wichtig ist auch, die Munition zu checken. Die Waffe muss auch von außen einwandfrei sein. Ist sie verschmutzt, könnte das gewisse Abläufe stören.

Manchmal gehen Kosten vor Sicherheit

Um diese Sicherheiten gewährleisten zu können, sollte eigentlich an jedem Filmset, das auch nur mit unechten Waffen hantiert, eine Sicherheitsperson vor Ort sein. Doch das ist leider nicht immer der Fall, meint Oliver Rasch. Gerade wenn Kosten eingespart werden sollen, würden einige Produktionen auf Sicherheitskontrollen dieser Art verzichten.

"Es gibt kein Gesetz, das eine Sicherheitskontrolle bei Schreckschusswaffen vorschreibt. Bei Sonderwaffen ist das aber anders."
Oliver Rasch, Waffenmeister und Pyrotechniker

Bei Sonderwaffen sieht das allerdings anders aus. Denn auch auf Filmsets werden öfter mal echte Waffen eingesetzt, zum Beispiel dann, wenn es ein gewisses Modell eben nicht als Nachbauten gibt. So etwa edle Jagdgewehre, die es nur in echt gibt, sagt Oliver Rasch.

Auch scharfe Munition möglich

Diese echten Waffen lassen sich auch mit scharfer Munition befüllen – und sind dann tödlich. Deswegen warnt der Experte: Echte Patronen haben auf deutschen Filmsets nichts zu suchen. Doch in anderen Ländern kann das auch anders aussehen. Etwa, wenn echte Patronen einfacher zu besorgen sind als Platzpatronen.

"Der echte, scharfe Schuss ist für den Film von Nachteil, denn der ist gar nicht so spektakulär."
Oliver Rasch, Waffenmeister und Pyrotechniker

Sinn ergibt das für einen Film aber eher wenig. Denn ein echter Schuss ist längst nicht so spektakulär wie wir es aus Filmen eben kennen: Da bleibt nur das Einschussloch etwa im Auto zu sehen.

Anmerkung: Am 25. Oktober 2021 wurde bekannt, dass die Waffe, mit der Alec Baldwin geschossen hat, eine echte Waffe war, die eine Patrone enthalten habe. Man habe dem Schauspieler wohl gesagt, die Waffe sei eine "Cold Gun", also eine Waffe ohne Munition. So steht es in einem Untersuchungsbericht der Polizei, wie die dpa berichtet.