Seit 300 Jahren gehört die Südspitze der iberischen Halbinsel zu Großbritannien. Sie ist damit Teil der europäischen Union. Dank des Brexits könnte damit bald Schluss sein - und die Zusammenarbeit mit Spanien erschweren.

Gibraltar, die Südspitze der iberischen Halbinsel, nicht größer als ein Viertel einer Kleinstadt, und mit gut 30.000 Einwohnern auch nicht sonderlich bevölkerungsreich. Was dieses kleine Gebiet so besonders macht: Es gehört natürlicherweise zu Spanien, die Einwohner sprechen spanisch, Spanien beeinflusst den Alltag. Aber: Gibraltar ist offiziell ein britisches Überseegebiet.

Seit 1704 steht es unter der Souveränität des Vereinigten Königreichs und wurde 1713 von Spanien offiziell abgetreten. Die Gibraltarer haben einen britischen Pass.

Die Geschichte

Von 1701 bis 1714 wurde der spanische Erbfolgekrieg in Europa geführt. Dabei stritten sich um die Nachfolge des spanischen Königs das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Großbritannien, die Niederlande und Frankreich.

Nach Jahren des Krieges kamen die kriegsführenden Parteien überein, Philipp V., ein Enkel des französischen Königs, als König von Spanien zu akzeptieren. Sowohl der französische König als auch der neue spanische Herrscher mussten sich verpflichten, Frankreich und Spanien niemals zu vereinen.

Gibraltar als Preis für den Thron

Da die Besetzung des spanischen Königsthrons von vielen Interessen aus ganz Europa bestimmt war, haben sich die Parteien auf eine Art Deal geeinigt:

Spanische Besitzungen wurden aufgeteilt. Und dabei bekam Großbritannien neben der Insel Menorca im Mittelmeer auch die Enklave Gibraltar. Seitdem gehört dieser 6,5 Quadratkilometer große Flecken Erde zur britischen Krone.

Beim Brexit geht es auch um die Zukunft Gibraltars

Gibraltar ist Teil der Europäischen Union. Allerdings werden einige Gesetze und Bestimmungen der EU nicht angewendet.

2016 stimmten 95,9 Prozent für den Verbleib in der EU. Bei den Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU wird es also auch um den Status von Gibraltar gehen, der eindeutig ist- jedenfalls wenn es nach dem stellvertretenden Regierungschef Gibraltars geht: Die Gibraltarer sehen sich als Briten, aber ihre Zukunft liege in der EU.

Das hört ihr in Eine Stunde History:

  • Robert Rebitsch, Historiker der Universität Innsbruck, schildert die Bedeutung der niederländisch-britischen Seekriege des 18. Jahrhunderts
  • Marc Dugge berichtet über das eindeutige Abstimmungsergebnis der Gibraltarer, die mit 96 Prozent gegen den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben
  • "Welt"-Reporter Alfred Hackensberger hat die Flüchtlingsroute von Afrika über Gibraltar nach Europa beobachtet
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erläutert das geostrategische Interesse der europäischen Großmächte an Gibraltar