Kein giftiges Insektizid, sondern ein hoher Ultraschallton, der für uns nicht hörbar ist, soll uns vor Stechmücken schützen. Klingt erst mal gut. Wieso das leider nicht funktioniert, erklärt der Biologe Mario Ludwig.

Bei Sonnenschein und einer lauen Brise mit dem Picknickkorb am See – das klingt nach einem perfekten Sommertag. Das Einzige, was nervt: Die Moskitos, die sich an unserem Picknick beteiligen wollen, indem sie uns stechen. Auch sehr störend: Das leise Surren einer Stechmücke direkt neben unserem Ohr, wenn wir uns ins Bett gelegt haben und kurz davor sind einzuschlafen.

"Nach Untersuchungen von US-amerikanischen Wissenschaftlern liegt das Hörlimit von Moskitos bei etwa 2000 Hertz, also weit unterhalb des Ultraschalls."
Mario Ludwig, Biologe

Noch vor einigen Jahren waren Insektizide im Hausgebrauch, als Spray oder Tablette in einer Steckdosenvorrichtung, weit verbreitet. Inzwischen wollen viele von uns die Dämpfe, die Stechmücken abtöten, selbst nicht mehr einatmen und verzichten darauf. Sogenannte Ultraschall-Insektenvertreiber werden von Herstellern als eine Alternative zu chemischen Insektenschutzmitteln angeboten. Der Biologe Mario Ludwig rät aber, dass wir uns das Geld für die kleinen elektrischen Geräte sparen, weil sie nachweislich wirkungslos sind.

Die Fledermaus-Theorie

Das Ultraschall-Insektenverteiber Stechmücken fernhalten können, begründen manche Hersteller mit der sogenannten Fledermaus-Theorie. Fledermäuse jagen Insekten, indem sie sie per Ultraschall orten. Im Laufe der Evolution haben einige Insekten Organe entwickelt, um Ultraschall wahrnehmen und so ihren Jägern auszuweichen zu können.

Hörvermögen von Stechmücken liegt unterhalb des Ultraschalls

Ob Moskitos überhaupt Ultraschall wahrnehmen können, ist noch nicht ausreichend untersucht und auch umstritten, sagt der Biologe Mario Ludwig.

Nach Untersuchungen von amerikanischen Wissenschaftlern liegt das Hörlimit von Moskitos bei etwa 2000 Hertz, also weit unterhalb von Ultraschall. Und damit auch weit unterhalb der Ultraschallwellen, die von räuberischen Fledermäusen bei der Jagd ausgestoßen werden. Die liegen zwischen 20.000 bis 100.000 Hertz. Das bedeutet, Moskitos können die Ultraschallwellen von jagenden Fledermäusen wahrscheinlich gar nicht hören.

Fressfeinde mit Ultraschall nachahmen, funktioniert nicht

Das Gleiche gilt für die Theorie, dass Moskitos vor den Tönen von Ultraschall-Insektenvertreibern fliehen würden, weil diese die Fluggeräusche von Libellen – sie sind die Fressfeinde der Stechmücken – nachahmen. Das Fluggeräusch von Libellen aber liegt bei etwa 20 bis 170 Hertz, also ebenfalls weit unterhalb von Ultraschall.

Manche Hersteller von Ultraschall-Insektenvertreiber werben damit, dass die Geräte die Fluggeräusche von männlichen Moskitos nachahmen, sagt Mario Ludwig. Das soll bereits befruchtete Moskitoweibchen angeblich dazu veranlassen, die Flucht zu ergreifen. Die weiblichen Stechmücken würden wegfliegen, um nicht ein weiteres Mal befruchtet zu werden.

Fluggeräusche liegen unter der Ultraschallgrenze

Dass mit Ultraschall der Flügelschlag von männlichen Stechmücken nachgeahmt werden kann, wurde bisher nicht bewiesen. Aber selbst, wenn befruchtete Weibchen, die Flucht antreten würden, sobald sie den Flügelschlag eines Männchens hören, wäre ein Ultraschall-Insektenvertreiber immer noch wirkungslos, sagt Mario Ludwig. Denn die Fluggeräusche von Moskitos liegen zwischen 400 und 1200 Hertz, und somit weit unterhalb der Ultraschalltöne, die ein Ultraschall-Insektenvertreiber für den Hausgebrauch aussendet.

Es gibt mehr als ein Dutzend wissenschaftliche Studien, die geprüft haben, wie wirksam Ultraschall-Insektenvertreibern gegen Moskitos sind. Dazu zählen sowohl Freiland-, als auch Laboruntersuchungen. Diese Studien kommen alle zu dem Schluss, dass diese Geräte, die Ultraschalltöne erzeugen, gegen Moskitos völlig wirkungslos sind, sagt Mario Ludwig.

"Anti-Mücken-App" erweist sich im Test als wirkungslos

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2011 eine sogenannte "Anti-Mücken-App", getestet. Per iPhone sendet die App hochfrequente Töne aus, die Mücken vertreiben sollt. Ergebnis des Tests: Die App war gegenüber Stechmücken der Art Aedes aegypti völlig wirkungslos.

Die American Mosquito Association, die weltweit größte NGO, die sich mit Moskitos und ihrer Bekämpfung befasst, hat das alles in einem Satz zusammengefasst: "The fact is that these devices just do not work - marketing claims to the contrary." (Tatsache ist, dass diese Geräte, allen Marketing-Aussagen zum Trotz, nicht funktionieren.)