Manche Frauen haben keine Arztpraxis in erreichbarer Nähe, in der sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen können. Medikamente, die die Frauen in der Apotheke abholen und mit denen sie den Abbruch zu Hause selbst einleiten können, können dann helfen. Rechtlich ist das aber noch eine Grauzone.

Wie auch bei dem chirurgischen Abbruch gilt auch beim Abbruch durch Medikamente, dass sich die schwangere Frau drei Tage davor beraten lassen muss, damit die Abtreibung straffrei ist. Während chirurgisch ein Abbruch noch bis zur 12. Woche nach der Befruchtung, also der 14. Schwangerschaftswoche (Anmerkung: gerechnet vom ersten Tag der letzten Monatsblutung) folgen darf, ist das mit Medikamenten nur bis zur 7. Woche nach Befruchtung, also der 9. Schwangerschaftswoche möglich.

Diese Medikamente funktionieren anders als die "Pille danach". Die verhindert, dass sich die Eizelle überhaupt in der Gebärmutter einnistet und kann bis zu zwei oder fünf Tagen – je nach Medikament – nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

So funktioniert der Abbruch mit Medikamenten

Das Medikament besteht aus zwei Wirkstoffen:

  1. Ein Stoff verursacht, dass der Muttermund weich wird, sich öffnet und sich die Schleimhaut von der Gebärmutter ablöst.
  2. Der andere Stoff bewirkt, dass das abgelöste Gewebe ausgestoßen wird.

Die Tabletten sorgen mittels eines künstlichen Hormons dafür, "dass die Schwangerschaft nicht weiter versorgt wird", sagt Catarina Eickhoff von der Beratungsstelle Pro Familia in Köln. Zwei Tage später muss in der Arztpraxis eine weitere Pille eingenommen werden. Deren Wirkstoffe sorgen dafür, dass das Schwangerschaftsgewebe vom Körper ausgestoßen wird.

"Zwei Tage später bekomme ich in der Praxis Medikamente mit Hormonen, die dazu führen, dass das Schwangerschaftsgewebe ausgestoßen wird."
Catarina Eickhoff von der Beratungsstelle Pro Familia

Nach der letzten Medikamentengabe setzen dann Blutungen und Krämpfe ein, die sieben bis zehn Tage andauern können und durch die dann das Gewebe ausgestoßen wird.

In der Regel gehen die Frauen in die Arztpraxis, wo der Abbruch mit ihnen durchgesprochen wird und bekommen anschließend die entsprechenden Medikamente. Meist nehmen die Frauen die Medikamente in der Praxis ein, aber sie können sie auch mit nach Hause nehmen und dort einnehmen.

Circa eine Woche bis zehn Tage später findet eine Kontrolluntersuchung statt, bei der festgestellt wird, ob alles abgestoßen wurde und sonst im Körper der Frau in Ordnung ist.

Abtreibungsmedikament per Post

Inzwischen gibt es Ärzt*innen, die Frauen nach einer Video-Sprechstunde das Abtreibungsmedikament per Post zuschicken. Für Frauen, die teilweise 100 Kilometer oder mehr fahren müssen, um einen Abbruch vornehmen zu lassen, ist das eine Erleichterung.

Aber genau diese Online-Sprechstunde mit anschließendem Versand des Abtreibungsmedikaments ist rechtlich unsicher. Deshalb wollen die Gleichstellungsministerien eindeutige Regelungen beschließen. Denn bisher dürfen Abtreibungsmedikamente nur an Einrichtungen verschickt werden, in denen die Frauen nachbehandelt werden können. Unklar ist, wie ein Arzt oder eine Ärztin nachweisen soll, dass in der Praxis nachbehandelt wird.

Außerdem ist unklar, was eine "notwendige Nachbehandlung" einer Frau, die einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen hat, genau beinhaltet.

Eine genauere gesetzliche Regelung ist auch deshalb dringend notwendig, weil diese medikamentöse Abtreibung immer häufiger angewendet wird: Nach Angabe des Statistischen Bundesamts sind 35 Prozent der Abtreibungen im 1. Quartal 2022 mit Tabletten durchgeführt worden. 2019 waren es noch 25 Prozent.