Egal ob Mediennutzer oder Medienmacher: An der AfD kommt momentan niemand vorbei. Vor allem unter Journalisten wird diskutiert: Wie berichten wir über die AfD? Und wann?

Die AfD ist nicht im Bundestag, an keiner Landesregierung beteiligt - und trotzdem ständig in den Schlagzeilen. Für Markus Grill vom Recherchenetzwerk Correctiv definiert sich Macht allerdings nicht ausschließlich dadurch, dass eine Partei an der Regierung ist. Allein schon die Tatsache, in den Parlamenten zu sitzen, ist Teil der Machtstruktur.

"In so vielen Landesparlamenten, wie die AfD mittlerweile sitzt, saßen noch nie irgendwelche Rechtsradikalen. Das ist schon neu."
Markus Grill, Recherchenetzwerk Correctiv

Was das angeht, stellt die AfD für Markus Grill eine gewisse Größe im politischen Spektrum dar. Was ihn allerdings stört: Die Medien springen zu sehr über die Stöckchen, die die AfD ihnen hinhält, sagt er.

"Ich glaub, die haben sich ziemlich viel von Trump abgeschaut."
Markus Grill, Recherchenetzwerk Correctiv

Die populistische Strategie der AfD, die auch Donald Trump in den USA angewendet hat, sorgt für immer neue Empörungswellen und damit für kostenlose Werbung. Das heißt, es werden gezielt Themen gesetzt, von denen man erwartet, dass sie zu heftigen Diskussionen führen. Dabei kommt es gar nicht auf die Relevanz an, nur auf die Lautstärke der Diskussion.

"Wir haben interne E-Mails von der AfD, aus denen hervorgeht, dass sie ganz klar kalkulierte Provokationen machen, die keine große gesellschaftliche Relevanz haben."
Markus Grill, Recherchenetzwerk Correctiv
Das Cover von Schwarzbuch AfD und der Autor Markus Grill
© dpa
Will der AfD auf den Zahn fühlen - Markus Grill vom Recherchenetzwerk Correctiv

Viel wichtiger, als über die Provokationen zu sprechen, wäre es aber zum Beispiel die sozialpolitischen Vorstellungen der Partei näher zu beleuchten, sagt Markus Grill. Darüber höre man kaum etwas. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass wichtige Teile der Partei den Mindestlohn wieder abschaffen wollen. Etwas, das nicht unbedingt im Interesse vieler AfD-Wähler sei, sagt Markus Grill.

Innehalten und nachdenken

Journalisten empfiehlt Markus Grill, sich um die relevanten Themen zu kümmern, das heißt um die Inhalte der Partei. Was will die AfD zum Beispiel mit der Arbeitslosenversicherung machen? Das sei ein wirklich relevantes Thema, so Markus Grill.

"Die wollen die Arbeitslosenversicherung abschaffen. Die sagen, die Arbeitsagentur soll aufgelöst werden, es sollen künftig alles die Jobcenter machen."
Markus Grill, Recherchenetzwerk Correctiv

Statt auf jeder Welle mitzuschwimmen, empfiehlt Markus Grill den Medien, immer mal wieder inne zu halten und zu überlegen: Ist unsere Berichterstattung eigentlich angemessen, fallen wir auf eine Kommunikationsstrategie herein und wer setzt eigentlich die Themen?

Mehr zur AfD: